Epigramm des Tages
Niemals etwas, immer über,
Über etwas schreib, mein Lieber,
So kommt Eignes zur Entfaltung
Und das Fremde gibt die Haltung.
Franz Grillparzer, 1863
Niemals etwas, immer über,
Über etwas schreib, mein Lieber,
So kommt Eignes zur Entfaltung
Und das Fremde gibt die Haltung.
Franz Grillparzer, 1863
Nächste Woche gibt es wieder ein Kaffeehausgespräch. Aus einem mir nicht mehr erinnerlichen Grund haben Maria Poets (Übersetzerin und Autorin) und ich uns auf das Thema „Zufall in der Literatur“ geeinigt. Ich würde mich über viele Gäste in unserem literarische Salon freuen.
ORT: Café Heile Welt, Weidenallee 10 b (Hinterhof), 20357 Hamburg
ZEIT: Mittwoch, 15. April 2009, 19:30 Uhr
In seinem Buch „Darwin’s Dangerous Idea: Evolution and the Meanings of Life“ (New York, 1995), einem Meilenstein der sogenannten Darwin-Industrie, sagt der Philosoph Daniel C. Dennett:
Darwin’s idea is a universal solvent, capable of cutting right to the heart of everything in sight.
Das klingt für einige Literaturwissenschaftler offenbar verlockend und es trägt, wie schon in Teil 1 und 2 dieser Blog-Serie erzählt, durchaus lesbare Früchte. Vor der Gleichsetzung von Natur und Kultur im Zuge eines Darwin-Hypes warnte vor sechsundachtzig Jahren der Anglist Levin Ludwig Schücking:
Einen Versuch, die großen Umwälzungen im Leben der Literatur methodisch zu erklären, hatte seinerzeit schon der berühmte französische Literarhistoriker und Kritiker Ferdinand Brunetière gemacht. Aber seine ‚Evolution des genres dans l’histoire de la literature‘, erschien zu einer Zeit (1890), wo die Welt so berauscht von den Ergebnissen der Naturwissenschaften war, daß sie sich allzu rasch bereit fand, in den Erklärungen, die Darwin und seine Nachfolger für die Vorgänge der Natur gefunden hatten, nun auch die Schlüssel der Probleme des geistigen Lebens zu sehen. […] Er übersah dabei, daß hier Dinge gleichgesetzt werden, die sich in Wirklichkeit nicht gleichsetzen lassen und die nur eine scheinbare Ähnlichkeit miteinander haben. Hier Leben, das sich unabhängig durch Zeugung und Besamung fortpflanzt, dort Schöpfungen, die vom menschlichen Denken abhängig sind. (Aus: Levin Ludwig Schücking: Die Soziologie der literarischen Geschmacksbildung. Rösl&Cie.: München 1923, S. 6)
Vor einiger Zeit empfahl sich mir der Roman „Ich.bin.eine.Mörderin“ von Claudia Cornelsen. Der etwas gesuchte Titel lässt einen Krimi erwarten, der Klappentext behauptet ähnliches, Rezensionen sprechen gar von einem Psycho-Thriller. Kein Wort davon ist wahr. Der Roman spielt in einer psychiatrischen Anstalt, die Handlung wird aus der Perspektive einer Ich-Erzählinstanz präsentiert und ist mit collageartigen Elementen durchsetzt, die auf die Argonautensage anspielen. Der Text lebt von der beklemmenden Schilderung eines gewaltsamen Familienlebens und von Parallelen zur Geschichte der Medea. Claudia Cornelsen kann sich nicht jeden Kalauer und nicht jeden Manierismus verkneifen. Generell aber ist „Ich.bin.eine.Mörderin“ beeidruckend gut gemachte Literatur. Und wer den Schluss des Romans ernst nimmt, bekommt zwei Bücher zum Preis von einem.
Die literaturwissenschaftliche Perspektive des ecocriticism stellt einen Zusammenhang zwischen Literatur und Natur her. In meiner Einleitung zu einer Lesung von Christine Büchner und Andreas Maier, die gemeinsam das Buch „Bullau. Versuch über Natur“ geschrieben haben, stelle ich einige Positionen des ecocriticism anhand dieses literarischen Texts vor. Zu der Einleitung wurde ich von Karin Heuer von umdenken e.V. eingeladen. Den Text der Einleitung können Sie hier herunterladen.
In der Süddeutschen Zeitung ist heute ein etwas naives aber interessantes Interview mit Arianna Huffington, Gründerin und Herausgeberin der amerikanischen Onlinezeitung The Huffington Post, zu lesen. Huffington sagt darin:
Es ist eine der großen Nebenwirkungen der Medienrevolution, dass sie dem geschriebenen Wort zu einer Renaissance verhilft.
Fanny Lewald wurde am 24.3.1811 in Königsberg geboren, sie starb am 5.8.1889 in Dresden. Zum Geburtstag dieser bedeutenden Schriftstellerin möchte ich heute einige Lektüre-Empfehlungen aussprechen.
Wer Lewalds Haltung zur Emanzipation und ihren Stil kennenlernen will, sollte den Roman „Jenny“ lesen. Äußerst amüsant ist Lewalds Satire „Diogena„, in der sie sich über die sentimentalen Frauenromane Ida Hahn-Hahns (die von Lorm als „verrückte Romanstrickerin“ bezeichnet wurde) lustig macht. Und interessant sind auch Lewalds italienischen Reisebeschreibungen, die Christina Ujma in einen größeren historischen Kontext gestellt hat.
Selbstverständlich könnte man – wie das oft mit sogenannter Frauenliteratur des 19. Jahrhunderts passiert – die Werke Lewalds auf Belege für eine Frauenbiographie (die der Autorin) oder für die Geschichte „der Frau“ reduzieren. Sollte man aber nicht. Lesen Sie Lewald, die ist wirklich gut.
Ankündigung
Ein Zitat aus dem Tagebuch von Marie von Ebner-Eschenbach habe ich als Titel für einen Vortrag gewählt, den ich im Rahmen der Mühlberger-Tage 2009 in Eislingen halten werde:
Ich will daß mein Blut an jedem Worte hänge das ich schreibe.
Ich freue mich ganz besonders, dass der Vortrag von einer Lesung aus Werken von Marie von Ebner-Eschenbach durch die Autorin Tina Stroheker begleitet wird.
Das Internet ist ein selbstreflexives Medium. Unzählige Seiten beschäftigen sich damit, was das Internet und alle seine Einzelteile „eigentlich“ ist. In Foren und Blogs versuchen Internetuser zu definieren, was sie machen, wenn sie das Internet verwenden.
Für beinahe alle Fragen über Funktion, Verwendung und Technik des Internets gilt: Mehrfachantworten möglich. So auch bei der Fragen nach einer der erfolgreichsten Innovationen der letzten Jahre, den Blogs. Für meine Antwort auf die Fragen
hat mir die Firma datadive in ihrer Sektion Wissen einen Platz gegeben. Lesen Sie nach. Sie finden dort auch interessante Texte über Wikis, Web 2.0, Suchmaschinen, Wissensmanagement, Corporate Wording und anderes.