Samstag, 14. März 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: , ,
Veröffentlicht in 19. Jahrhundert,Literaturwissenschaft | Keine Kommentare

Wer war Ida Fleischl-Marxow?

Am 4. Juni 1911 notierte Marie von Ebner-Eschenbach in ihr Tagebuch: „Heute vor 12 Jahren ist Ida gestorben. Brief vom getreuen Otto ‚In 30 Jahren weiss niemand mehr was für eine Frau Mama gewesen ist.‘“

Ida Fleischl-Marxow war maßgeblich am literarischen Erfolg Ebner-Eschenbachs beteiligt. Sie war die erste Leserin der Entwürfe der Schriftstellerin, sie nahm Einfluss auf Handlung und Gestaltung der Erzählungen und korrigierte die Druckbögen.

Zudem war Ida Fleischl-Marxow die Lebensfreundin Betty Paolis. Vierzig Jahre lang lebte die Dichterin im Hause Fleischl und konnte durch diese Unterstützung als freie Schriftstellerin arbeiten.

Ida Fleischls Sohn Otto, Arzt und Pianist (1849-1935), lebte seit 1873 in Rom. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Schweizerin Nina Schwarzenbach, empfing er in seinem offenen Haus Musiker, Maler und Intellektuelle. Zu den Gästen zählten Liszt, Wagner, Brahms, Nietzsche und Böcklin.

Freitag, 13. März 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: ,
Veröffentlicht in 19. Jahrhundert,Literaturwissenschaft | Keine Kommentare

Begegnung mit Ida Fleischl-Marxow

Aus dem Tagebuch von Betty Paoli:

13. März 1866:

Dienstag. Jahrestag meiner ersten Begegnung mit Ida. Vormittags gearbeitet; Besuch von Fürst Fr. Schwarzenberg. Nach Tisch mit Ida Frau Wertheimer besucht. Abends zu Hause und Ida vorgelesen.

13. März  1880:

25jähriger Gedächtnistag meiner ersten Begegnung mit Ida. Ein Vierteljahrhundert!

13. März 1885:

Dreißigster Jahrestag meiner ersten Begegnung mit Ida.

13. März 1893:

Der 38ste Jahrestag meiner ersten Begegnung mit Ida. Sie schenkte mir C. F. Meyer’s Novellen.

Donnerstag, 12. März 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte:
Veröffentlicht in Literatur | Keine Kommentare

Die Kaffeehausgespräche gehen weiter

Neuer Ort, neuer Termin und neues Thema: Die Kaffeehausgespräche im März widmen sich der Frage, wie das Tier ins Buch kommt und was es dort macht. Ich werde einleitend über Fabeln sprechen, danach soll sich das Gespräch über Eisbären, Bambi, Frösche, Hunde etc. in freier Salon-Manier entwickeln.
Ort: Café Heile Welt, Weidenallee 10 b (Hinterhof), 20357 Hamburg
Zeit: Mittwoch, 18. März 2009, 19:30 Uhr

Sonntag, 8. März 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: ,
Veröffentlicht in Literatur | Keine Kommentare

Heldinnen? 3. und letzter Teil

„Besonders interessant ist, dass es Heldinnen nur mit Attribut oder Ergänzung gibt. Es sind also keine Heldinnen – Punkt. Sondern es sind Heldinnen der Liebe, der Nächstenliebe, der Fürsorge oder christliche Heldin, auch Heldinnen des politischen Widerstands oder Heldinnen des Alltags. Mir fällt keine literarische weibliche heldenhafte Figur ein, die einfach nur Heldin ist. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren. Das Heldenhafte in der traditionellen Definition und damit in der Literatur ist männliche Heldenhaftigkeit. Dazu wurden dann Abweichungen und Teilmengen erfunden und in dieser Teilheldenhaftigkeit finden Frauen ihren Platz.

Am deutlichsten kann man die Geschlechtsspezifik von Heldentum meiner Meinung nach daran sehen, dass literarische Heldinnen, wenn sie tatsächlich einfach nur Heldinnen zu sein versuchen – also Heldin Punkt –, das am ehesten noch als Heldenjungfrauen sein können, als Virago, z.B. „Penthesilea“ von Kleist. Die Heldenjungfrau ist allerdings meistens eine Frau, der die biologische Weiblichkeit irgendwie abhanden gekommen ist, ein Mannweib im schlechtesten Fall. […] Selbstständige Frauen, gebildete Frauen, Frauen die Macht haben, strategisch denkende Frauen… kurz gesagt weibliche Figuren, die zum heldenhaften, vorbildlichen Handeln ermächtigt werden, sind in der Literatur traditionell hässlich (im neunzehnten Jahrhundert bedeutet das: groß und dunkelhaarig), unverheiratet oder unglücklich verheiratet und fast immer kinderlos. Oder sie sind (wie) Kinder (Pipi Langstrumpf) oder durch irgend einen Trick geschlechtslos gemacht. […] Auf jeden Fall ist die Folge des weiblichen heldenhaften Handelns nicht nachhaltig, wie z.B. die Gründung einer Stadt, die Rettung der Welt etc.“

Ausschnitt aus meiner Einleitung zum Kaffeehausgespräch am 19. Februar 2009 zum Thema “Heldinnen – starke Frauen in der Literatur”

Mittwoch, 4. März 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte:
Veröffentlicht in Literaturwissenschaft | Keine Kommentare

Mein Beitrag zum Darwin-Jahr 2

Wie schon bemerkt, gibt es einen Trend in der Literaturwissenschaft, Evolutionsbiologie zur Erklärung von Literatur heranzuziehen. 2005 fragte Christopher Shea „Does Darwin have anything to say about Beowulf and Madame Bovary?“ und antwortet:

[…]  the readings often get stuck at the level of: Madame Bovary cheated because she lusted for an alpha male.

Der Transfer von Theorien und Methoden aus einer Disziplin (z.B. Biologie) in die andere (z.B. Literaturwissenschaft) geht oft mit Simplifikation einher. Immer wieder gehören Halbwissen und Missverständnisse zur interdisziplinären Arbeit. Und das ist gut so, denn das gibt der produktiven Ignoranz eine Chance, über die Günther Anders schreibt:

Zuweilen geschieht es, daß einer ein Phänomen prima vista in einem Lichte sieht, in dem es von den Spezialisten niemals hatte gesehen werden können; und daß er nun (ohne die geringste Ahnung von seiner eigenen Originalität, aber wirklich auch ohne das mindeste Verdienst) einfach deshalb, weil er auf Grund seiner Ignoranz das ungetrübteste und vorurteilsfreieste Auge besitzt, Aussagen über dieses Phänomen machen kann, deren Folgen sich als umwälzend herausstellen. Wenn es diese ‚produktive Ignoranz‘ nicht gäbe, wäre Philosophieren die lächerlichste Zeitvergeudung. (Philosophische Stenogramme, München 2002, S. 122)

Sonntag, 1. März 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: ,
Veröffentlicht in Literatur | Keine Kommentare

Heldinnen? 2. Teil

„[…] In einer patriarchalen Gesellschaft, in der die Macht vom Vater auf den Sohn übergeht, gibt es keine Städtegründerinnen und Volksmütter, auf die man sich berufen kann. Frauen können heldenhaft sein – z.B. stark und klug –, aber die heroische Grundidee, nämlich dass sie ganze Völker – oder genereller gesagt, eine Gruppe von Menschen – in ihrem Selbstverständnis legitimieren, die geht bei ihnen nicht auf. In diesem antiken, klassischen Heldenverständnis können Frauen Heldentaten vollbringen, können kämpfen und sich in ihrer Herkunft auf Götter und Helden berufen (z.B. Olympias, die Mutter von Alexander dem Großen, stammt von Archilles ab), aber sie können diese Macht nicht weitergeben. Das Heldentum von Frauen nimmt mit dem individuellen Leben sein Ende. Und ein Held, der nicht weiterlebt, ist kein Held. […]“ (Schluss folgt)

Ausschnitt aus meiner Einleitung zum Kaffeehausgespräch am 19. Februar 2009 zum Thema “Heldinnen – starke Frauen in der Literatur”

Samstag, 28. Februar 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: ,
Veröffentlicht in 19. Jahrhundert,Literatur,Literaturwissenschaft | Keine Kommentare

Probleme mit dem Erstlingswerk

Im Jahr 1858 erschien anonym ein schmales Buch mit dem Titel „Aus Franzensbad“, in dem eine adelige junge Frau mit feinem Spott ihre Beobachtungen über das Treiben im Kurbad festhält. Ziel der Kritik in dieser Briefsatire sind die oberflächlichen, langweiligen und gelangweilten Standesgenossinnen der Briefeschreiberin, bürgerliche Emporkömmlinge und geltungssüchtige Journalisten. Die Autorin des Buchs ist Marie von Ebner-Eschenbach.

1867, in der Zeit, in der Ebner-Eschenbach versucht als Dramenautorin Fuß zu fassen, holt ihre literarische Vergangenheit sie ein. Die Fürstin Auersperg, Ehefrau des Oberstkämmerers Fürst Auersperg, der für das Burgtheater zuständig ist, kann der Baronin ihren Erstling nicht verzeihen.

Als Marie von Ebner-Eschenbach Jahrzehnte später mit ihren Erzählungen und Aphorismen zur Bestsellerautorin geworden war, witterte ein Verlag ein gutes Geschäft in der Neuauflage des Buchs, diesmal selbstverständlich mit Nennung des Namens der Verfasserin. Marie von Ebner-Eschenbach versuchte sich dagegen zu wehren. Aus dem Tagebuch Marie von Ebner-Eschenbachs von 1913:

12. Februar: Eckelhafte Geschichte mit dem Nachdruck v. Aus Franzensbad.
17. Februar: Dr. Georg Paetel schreibt: Ich hoffe dass der Buchhandel ihren Willen respektieren wird (in der Angelegenheit v. aus Franzensbad.)
26. Februar: Frl. Bucher vorm. Wir schrieben an H. Paetel dass die Neuauflage v. aus Franzensbad jedenfalls unterbleiben solle. Es heisst also H. Fiedler eine Spekulation abkaufen.
3. März: Bf. v. H. Paetel. Mitteilung seines Rechtsfreundes. Summa Summarum. Ich bin rechtlos. Das gute hülfreiche Frl. Bucher kam zum Glück, wir schrieben an H. Paetel. Breuer u. Frl. Luggin, die abds. ein gutes Stück des Machwerks aus Franzensbad vorlas, sind dafür, das Zeug einfach erscheinen zu lassen u. keine Notiz davon zu nehmen.

Das Buch wird gegen den Willen der Autorin gedruckt.

Dienstag, 24. Februar 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: ,
Veröffentlicht in Literatur | Keine Kommentare

Heldinnen? 1. Teil

„[…] Ein Held ist eine Figur mit besonderen herausragenden Fähigkeiten oder Eigenschaften, die sie zu hervorragenden Leistungen, sogenannten Heldentaten, befähigt. Ganz wichtig bei dieser Definition ist die Vorbildfunktion. Nur was in der Zeit und in der Gesellschaft für erwünscht und vorbildlich gehalten wird, gilt als Heldentat. Heldentum kann also nur aus dem Kontext heraus erklärt werden. Körperliche Kraft oder geistige Fähigkeiten sind für sich genommen kein Zeichen dafür, dass eine Figur ein Held ist. […] Heldentum ist also eine Frage des Weltbilds, keine Eigenschaft der Figur.

Ich glaube, dass die klassische Definition von Heldentum, die aus der Antike stammt, uns bis heute begleitet und unsere Vorstellung davon, was ein Held ist, immer noch beeinflusst – und sei es auch nur, indem wir uns davon distanzieren. […] Damit kommen wir zu einem Problem der Heldin: Es gibt sie nicht.“ (Fortsetzung folgt)

Ausschnitt aus meiner Einleitung zum Kaffeehausgespräch am 19. Februar 2009 zum Thema „Heldinnen – starke Frauen in der Literatur“

Montag, 23. Februar 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: , , ,
Veröffentlicht in 19. Jahrhundert,Literaturwissenschaft | Keine Kommentare

Betty Paoli schreibt im Februar

Aus dem Tagebuch Marie von Ebner-Eschenbachs: 25. Februar 1885: „Abends bei Ida [Fleischl-Marxow] – zerfasert, der ganze Abend. Das beste war ein Aufsatz Betty’s den sie selbst vorlas über die Wandlungen der Frauenfrage.“

Mittwoch, 18. Februar 2009 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: ,
Veröffentlicht in 19. Jahrhundert | Keine Kommentare

Jobdescription: Gesellschafterin

Ihr Aufenthalt bey der Familie des Hrn. A. wurde ihr nun doppelt schwer, und da sich zu derselben Zeit eine Veranlassung darbot, dieß Haus zu verlassen, so ergriff sie diese begierig und gesellte sich zu einer Dame, die eine sogenannte Gesellschafterinn, das heißt eine Person suchte, der außer den Arbeiten und Lasten, die einer Dienstmagd aufgelegt werden, noch die weit schwerere Pflicht aufgedrungen wird, sich immer in der nächsten Nähe der Gebieterinn als ein Ableiter ihrer bösen Launen, als Theilnehmerinn und Gehülfinn an allen Sorgen und Beschwerden der Familie, ohne doch als Mitglied derselben gerechnet zu werden, aufhalten zu müssen.

aus: L. Kruse: „Käthchen. Eine dänische Erzählung“ In: Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode. Dienstag, den 2. April 1833. (S. 325-328) [1. Teil]