Freitag, 13. Februar 2009 von Karin S. Wozonig
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Gespräch über Heldinnen

Das nächste Kaffeehausgespräch wird zum Thema „Heldinnen, starke Frauen in der Literatur“ stattfinden.

ORT: Wie es Euch gefällt, Juliusstr. 16, 22769 Hamburg
ZEIT: Donnerstag, 19. Februar 2009, 19:30 Uhr
Der Eintritt ist frei

Donnerstag, 12. Februar 2009 von Karin S. Wozonig
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Mein Beitrag zum Darwin-Jahr 1

Vor einigen Jahren konnte man in der Literaturwissenschaft eine aufkeimende Begeisterung für die Idee beobachten, Literatur ließe sich evolutionsbiologisch erklären. Ein Beispiel für diesen Trend ist Karl Eibl, der in seinem Buch Animal poeta. Bausteine der biologischen Kultur- und Literaturtheorie (2004) den Bogen von der Evolutionstheorie zur Kultur- und Literaturtheorie zu schlagen versucht. Eibls zentrale These besagt vereinfacht ausgedrückt, dass Literatur, Kultur und ästhetische Erfahrung auf „Dispositionen“ zurückzuführen seien. Diese Dispositionen seien in der Biologie des Menschen begründet und könnten daher evolutionsbiologisch erhellt werden. Ein interessanter Ansatz. Aber für alle, die Literatur biologisch zu begründen versuchen, ergibt sich ein kaum zu lösendes Problem: Um biologische Bedingungen von Kultur zu beschreiben, muss man den menschlichen Geist bedenken und dabei seine Grundlagen als dem Denken vorausgehend definieren. (Fortsetzung folgt)

Freitag, 6. Februar 2009 von Karin S. Wozonig
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Von Baden ins Salzkammergut

Betty Paoli beobachtet den bürgerlichen Aufstieg

Im September 1869 schrieb eine der bedeutendsten österreichischen Chronistinnen des neunzehnten Jahrhunderts, Betty Paoli, aus der Sommerfrische in Ischl ein Feuilleton für die Neue Freie Presse, das Leibblatt des liberalen Großbürgertums.

In diesem Text steckt alles, was die Leser und Leserinnen der Zeitung in den vier Jahrzehnten vor der Publikation dieses Feuilletons in das Salzkammergut geführt hatte:

  • die Eisenbahn,
  • die soziale Mobilität,
  • der Überdruss am städtischen Leben,
  • die Sehnsucht nach bezwingbarer Natur – und mehr:

In diesem Text war die Vorahnung formuliert, wohin es weitergehen würde; nämlich weiter hinaus in die Welt. Denn wer es in den Jahren zwischen 1829 und 1869 von Baden bei Wien in das urban-alpine Ischl geschafft hatte, der würde dort nicht halt machen. Lesen Sie auf Kakanien revisited, was ein Sommerurlaub in Ischl mit dem sozialen Aufstieg des Bürgertums in der Habsburgermonarchie zu tun hat.

Dienstag, 3. Februar 2009 von Karin S. Wozonig
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Nochmals: Ein Bild von einer Dichterin

Eine Ergänzung zum Eintrag über Cajetan Cerris Huldigung an Betty Paoli „Als ihr lithographiertes Portrait erschien“.

Cajetan Cerri zu Füßen von Betty Paoli. „Der österreichische Parnaß“, Karrikatur von Franz Gaul, 1862, (Ausschnitt). Abgebildet in: Deutsch-Österreichische Literaturgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Dichtung in Österreich-Ungarn. 3. Bd. Hg. Eduard Castle. Fromme: Wien 1930.

Samstag, 31. Januar 2009 von Karin S. Wozonig
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Literaturkritik im Internet

Die Literaturbeilage der Washington Post wird nicht mehr gedruckt. Literaturkritik wird es trotzdem geben, vielleicht sogar mehr als früher, denn die online-Version hat theoretisch unendlich viel Platz. Also: Es ist nicht der Untergang des Abendlandes. Aber es wird sich etwas ändern. Denn das Schreiben über das Lesen im Netz ist anders, als das Schreiben über das Lesen für ein (abgeschlossenes) Printmedium. Oder wie es Wieland Freund in der „Welt“ sagt:

Wer allerdings meinte, die Kritik würde von ihrer Verpflanzung vom Analoge ins Digitale darüber hinaus nicht berührt, hat seine „Aufschreibesysteme“ nicht gelesen: Wie und wo und womit man schreibt, schreibt sich ins Schreiben nämlich ein

Dienstag, 20. Januar 2009 von Karin S. Wozonig
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Lust und Leid des Reisens

„Als die Fürstin Schwarzenberg im Revolutionsjahr 1848 starb, zog Betty Paoli nach Dessau, um dort als Gesellschafterin der Gräfin Bünau zu arbeiten. Bei Besuchen in Berlin aktivierte sie den Kontakt zu Karl August Varnhagen von Ense: „Sonnabend, den 3. Nov 1849 […] Unerwarteter Besuch von Fräulein Betty Paoli, die vor vier Jahren mit der Fürstin von Schwarzenberg hier war. Sie ist sehr angenehm, voll Verstand und Sinn.“  Einer Modeerscheinung folgend fuhr Paoli im Jahr 1850 für drei Monate nach Paris, ausgestattet mit zwei Briefen an Heinrich Heine. […] Über ihren Aufenthalt in Paris schrieb Paoli nach ihrer Rückkehr mehrere Feuilletons für den Lloyd. […] Zwei Jahre später erscheinen im Lloyd Feuilletonbeiträge von Betty Paoli, die der Gattung des Reiseberichts näher kommen als die „Pariser Eindrücke“.  In diesen Texten beschreibt Paoli eine Reise nach Italien […]

Wenn Jemand das Reisen aufrichtig aus tiefster Seele verabscheut, bin ich’s; wenn Jemand den zauberischen Reiz des Lebens in Schlafrock und Pantoffeln gerührt zu würdigen weiß, bin wieder ich es. Und gerade mich muß es treffen, rastlos umherzuwandern, mich, die ich so gern in meiner Klause bleiben und Tag für Tag zur selben Stunde dasselbe thun möchte, eine lebendige Uhr für die ganze Nachbarschaft. […] An einem schönen Junitag verließ ich Wien, wehmüthig den Genüssen entsagend, die man niergends anders als in seinen vier Pfählen zu finden hoffen darf. Zur beliebigen Stunde aufzustehen, beim Frühstück zwischen jedem Nippen an der Tasse eine Schaar doppelt lieblicher, weil wacher Träume vorbeidefilieren zu lassen […] – das waren die Freuden, die ich für eine Weile aufgab, und welcher Ersatz harrte meiner dafür? Bei Tagesanbruch mit dem Schreckensruf geweckt zu werden: „Es ist keine Zeit mehr zu verlieren!“ schlaftrunken in die Kleider zu fahren, in der Hast der Abreise die Hälfte meiner Toilette-Requisiten im Gasthof zu vergessen, endlich in einem mit Menschen angefüllten Waggon geschoben zu werden, dessen Wärmegrad mit dem eines Orchideenhauses auf gleicher Höhe […]“

Ähnlich umfangreich wie die „Reise-Memoiretten“ von 1852 sind die in der Neuen Freien Presse in den Jahren 1870 und 1871 erschienen „Reisestationen“. Hier berichtet Paoli über die Meinung ihres Arztes, der sie zur Reise gedrängt habe und erinnert sich dabei an ihre frühere Italien-Reise, die sie aus Gesundheitsgründen angetreten hatte:

Rasch war mein Entschluß gefaßt, so schwer es mir auch fiel, noch weitere Länderstrecken zwischen mich und die Heimat zu legen. Es mußte sein. Mein Arzt hatte erklärt, das Reisen sei eine absolute Nothwendigkeit für mich; alle meine Freunde hatten sich dieser Meinung angeschlossen und noch den Rath hinzugefügt: „Je weiter, desto besser.“ Nach dieser schönen Einstimmigkeit zu schließen, muß ich nicht nur krank, sondern auch unausstehlich sein. […]

Aus: Karin S. Wozonig: „So streifet mein Begehren, hin durch die weite Welt…“ Betty Paoli auf Reisen. In: Austriaca 62 (2006) S. 113-123.

Mittwoch, 14. Januar 2009 von Karin S. Wozonig
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Jänner 1881

28. Jänner 1881: Nachmittag bei Ida […] Betty [Paoli] hustete, daß die Leute es auf der Straße hören mußten.

Aus: Marie von Ebner-Eschenbach: Tagebücher. Hrsg. v. Polheim, Karl Konrad/Gabriel, Norbert. Band III 1879-1889. Tübingen 1993.

Montag, 12. Januar 2009 von Karin S. Wozonig
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Paolis Schreib- und Lebenssituation

Im Jahr 1855 ließ der gute Stern der Dichterin sie finden, was wol die Erfüllung des Traumes eines jeden Schaffenden ist: alle Annehmlichkeiten, alles Behagen des Familienlebens ohne eine seiner Verpflichtungen. Durch fast vierzig Jahre hat sie im Frieden des Hauses v. Fleischl-Marxow, unter hochbegabten, edlen Menschen gelebt: frei und geschützt.

aus: Feuilleton. Betty Paoli. In: Neue Freie Presse 22. Juli 1894. S. 1-4. [gez. Marie v. Ebner-Eschenbach, St. Gilgen, den 14. Juli 1894]

Montag, 5. Januar 2009 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli trifft Otto Ludwig

In der Neuen Freie Presse vom 10. Januar 1866 schrieb Betty Paoli über den Schriftsteller, der den Begriff „poetischer Realismus“ prägte:

Es war im September des Jahres 1858, als ich, auf der Durchreise einige Tage in Dresden verweilend, diese Gelegenheit, Otto Ludwig persönlich kennen zu lernen, zu benutzen beschloß. Nicht ohne eine gewisse Beklommenheit machte ich mich auf den Weg. Kein Empfehlungsschreiben, kein Anknüpfungspunkt, wie gemeinsame Freunde ihn bieten, vermittelte die Bekanntschaft, nach der es mich verlangte. Ich fragte mich, ob die Verehrung, die ich dem Dichter entgegenbrachte, mir das Recht gebe, in seine Häuslichkeit einzudringen. Solche Zweifel beschäftigten mich noch, als ich auf dem Wege nach Ludwigs ziemlich entlegener Wohnung die Promenade entlang schritt. Ich unterdrückte sie jedoch und sagte mir, daß die Bescheidenheit, die uns verleiten möchte, unser Lieben und Bewundern zu verschweigen, im Grunde nur verkappter Hochmut sei, der sich nicht der Gefahr einer Zurückweisung aussetzen will […]

Das zweiteilige Feuilleton Paolis über das Leben und Werk von Otto Ludwig ist auf ANNO, dem Projekt AustriaNNewspaperOnline, nachzulesen.

Sonntag, 4. Januar 2009 von Karin S. Wozonig
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Gespräch über Helden

Bei den nächsten Kaffeehausgesprächen, dem literarischen Salon in Hamburg, wird es um die Frage gehen, welche Helden und Heldinnen der Literatur wir kennen. Welche Helden sind uns besonders sympathisch, über welche ärgern wir uns, welche wünschen wir uns als beste Freunde… Und was ist denn überhaupt ein Held/eine Heldin? Wir freuen uns auf interessierte Salongäste.
ZEIT: Donnerstag, 15. Januar 2009, 19:30 Uhr
ORT: Wie es Euch gefällt, Juliusstr. 16, 22769 Hamburg