Donnerstag, 19. Mai 2011 von Karin S. Wozonig
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Es lebe der Sport

Für das heute stattfindende Kaffeehausgespräch beschäftige ich mich mit der „Sportskomteß“ aus der Erzählung Komtesse Muschi von Marie von Ebner-Eschenbach – und bin voller Bewunderung für die Beobachtungsgabe der Autorin.

Dienstag, 17. Mai 2011 von Karin S. Wozonig
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Wieder einmal Knigge

Eine weise und gute Wahl bei Knüpfung des wichtigsten Bandes im menschlichen Leben, die ist freilich das sicherste Mittel, um in der Folge sich Freude und Glück in dem Umgange unter Eheleuten versprechen zu können. … Wähle also mit Vorsicht die Gefährtin Deines Lebens, wenn Deine künftige häusliche Glückseligkeit nicht ein Spiel des Zufalls sein soll. … Ich glaube nicht, daß eine völlige Gleichheit in Temperamenten, Neigungen, Denkungsart, Fähigkeiten und Geschmack durchaus erfordert werde, um eine frohe Ehe zu stiften; vielmehr mag wohl zuweilen grade das Gegenteil (nur nicht in zu hohem Grade, noch in Hauptgrundsätzen, noch ein zu beträchtlicher Unterschied von Jahren) mehr Glück gewähren.
Knigge: Über den Umgang mit Menschen

Donnerstag, 12. Mai 2011 von Karin S. Wozonig
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Twitter-Sprache

Der von mir sehr geschätzte Verfasser des Buchs Chaos. Making a New Science James Gleick hat ein Buch geschrieben mit dem Titel The Information: A History, A Theory, A Flood. In einem Interview für den Science Weekly-Podcast von The Guardian sagt Gleick mit Blick auf Twitter:

It almost goes without saying that a hundred and forty characters don’t let you express a thought of great profundity that’s likely to be a contribution to knowledge.

Nun, dem kann ich nicht zustimmen. Wie immer kommt es darauf an, wer spricht. Schiller zum Beispiel:

Sprache.
Warum kann der lebendige Geist dem Geist nicht erscheinen?
Spricht die Seele, so spricht ach! schon die Seele nicht mehr.

(21 Wörter, 130 Zeichen [mit Leerzeichen])
Dienstag, 10. Mai 2011 von Karin S. Wozonig
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Seumes Weisheit

Brief von Seume an Hanns Schnorr von Carolsfeld, 1801: „Mit der Lebensbeschreibung hats noch Zeit; erst wollen wir leben, dann schreiben. Viel gelebt und wenig geschrieben! besser als umgekehrt.“

Montag, 9. Mai 2011 von Karin S. Wozonig
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Seume geht weiter

Heute abend werde ich mit einem Grüppchen Interessierter wieder über Seumes Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 sprechen. Im Gegensatz zu einer frühren literarischen Neigungsgruppe, die sich sozusagen hypertextuell mit einem Buch beschäftigt hat, beginnen wir diesmal am Anfang. Wer mitmachen will, schicke ein Mail.

Dienstag, 3. Mai 2011 von Karin S. Wozonig
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Primärwerk

Franz Grillparzer im Gespräch mit Marie von Ebner-Eschenbach: „No ja, Literaturgeschichte – ein gemaltes Mittagessen!“

Montag, 25. April 2011 von Karin S. Wozonig
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Seume in Graz

Graz

Hier will ich einige Tage bleiben und ruhen: die Stadt und die Leute gefallen mir. Du weißt, daß der Ort auf beiden Seiten der Murr sehr angenehm liegt; und das Ganze hat hier einen Anblick von Bonhommie und Wohlhabenheit, der sehr behaglich ist. … Graz ist eine der schönsten großen Gegenden, die ich bis jetzt gesehen habe; die Berge rund umher geben die herrlichsten Aussichten und müssen in der schönen Jahreszeit eine vortreffliche Wirkung tun. Das Schloß, auf einem ziemlich hohen Berge, sieht man sehr weit; und von demselben hat man rund umher den Anblick der schön bebauten Landschaft, die durch Flüsse und Berge und eine Menge Dörfer herrlich gruppiert ist. … Die Grazer sind ein gutes, geselliges, jovialisches Völkchen; sie sprechen im Durchschnitt etwas besser deutsch als die Wiener.

Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802

Montag, 18. April 2011 von Karin S. Wozonig
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Noch mehr Stimmen aus dem Ausland

Foreign poetesses are not a whit better than English; think of Madame DesbordesValmont (we think that is the way she spells her name), think of her pitiful wails and lamentations, „Mes Pleurs“ and „Mes Larmes“ innumerable, enough to fill an ocean. As for Germany’s songstresses, though she has several, they are all unknown to fame, save „Betty Paoli“, whom we admire greatly, and should rank upon a level with Mrs. Browning and Miss Lowe, for artistic power; that is, we recognize hers as a kindred spirit with those of Germany’s greatest bards, one who may justly claim equality with them; but then we have always called her „the female Byron,“ so sad is she, so bitter, so painfully passionate; nevertheless, she is great. We recommend Betty Paoli’s poems to the study of every lover of German poetry; they are pure and noble artistic creations, earnest-hearted and earnest-minded, and, above all, not diffuse (wonderful to relate); her words rarely or never outrun the thoughts they represent.

Still, in every country, female poetry it doleful or morbid, and generally speaking it is weak and diffuse, and therefore, as we said at starting, it does not present a too delightful theme.“

The eclectic magazine of foreign literature, science, and art. Volume 2, 1851

Donnerstag, 14. April 2011 von Karin S. Wozonig
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Seume, Gnade und Gerechtigkeit

Im Vorjahr habe ich als Ausgründung meines literarischen Salons „Kaffeehausgespräche“ eine „Neigungsgruppe ‚Der Mann ohne Eigenschaften'“ gegründet, in der über den Jahrhundertroman von Robert Musil gesprochen wurde. Das Interesse an dem Buch erlahmte noch weit vor dem Krypto-Inzest und es gibt ein Nachfolgeprojekt: die Lese- und Diskussionsgruppe „Mit Seume nach Syrakus“, die sich Johann Gottfried Seumes Reisebericht „Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802“ widmet. Das erste Treffen der Gruppe wird am 17. April stattfinden, Weitere Informationen gibt es auf www.kaffeehausgespraeche.de

Aus gegebenem Anlass werde ich in meinem Blog in unregelmäßigen Abständen aus Seumes Buch zitieren. Ich beginne heute mit einer Reflexion, die ihren Anfang ungefähr in der Mur-Mürz-Furche genommen hat:

Jeder soll billig sein für sich; das ist menschlich, das ist schön; aber alle müssen gerecht sein gegen alle; das ist notwendig, sonst kann das Ganze nicht bestehen. Der billige Richter ist ein schlechter Richter, oder seine Gesetze sind mehr als mangelhaft. Die Billigkeit des Richters wäre ein Eingriff in die Gerechtigkeit. Zur Gerechtigkeit kann, muß der Mensch gezwungen werden, zur Billigkeit nicht; das ist in der Natur der Sache gegründet. … Wir haben Billigkeit, Großmut, Menschenliebe, Gnade und Erbarmung genug im einzelnen, bloß weil wir im allgemeinen keine Gerechtigkeit haben. Die Gnade verderbt alles, im Staate und in der Kirche. Wir wollen keine Gnade, wir wollen Gerechtigkeit; Gnade gehört bloß für Verbrecher; und meistens sind die Könige ungerecht, wo sie gnädig sind. Wer den Begriff der Gnade zuerst ins bürgerliche Leben und an die Stühle der Fürsten getragen hat, soll verdammt sein, von bloßer Gnade zu leben; vermutlich war er ein Mensch, der mit Gerechtigkeit nichts fordern konnte.

Seume: Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802.

Donnerstag, 7. April 2011 von Karin S. Wozonig
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Frühlingsstimmen aus dem Ausland

A new poetess, Betty Paoli, has created a great sensation here amongst the literary world. Her poems, which are published in one volume by a bookseller in Pesth, contain much that is truly admirable. Great things are expected from this modern Sappho (for Betty Paoli sings chiefly of love), and judging from these her first published poems, she may indeed be considered as an oasis amongst the somewhat barren desert of modern German poetry.

The Foreign and Colonial Quarterly Review, April 1843

PS