Montag, 15. Juni 2009 von Karin S. Wozonig
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Und wer war Carl von Fleischl-Marxow?

Aus dem Tagebuch von Marie von Ebner-Eschenbach, 23. Juni 1893:

Ida sagte gestern: Weißt du was Karl war? er war Abrahams Schoß. Alle Sorgen die mir weggeräumt werden konnten, jede Mühe, jede Unannehmlichkeit nahm er auf sich. Unabhängiger als ich ist nie eine Frau gewesen. Wenn ich einen Wunsch aussprach, war er im selben Augenblick – sein Wunsch.

Donnerstag, 11. Juni 2009 von Karin S. Wozonig
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Kritik im Blog

Christoph Egger denkt in der Neuen Zürcher Zeitung über Filmkritiken in Zeitungen nach und erinnert vorab an Grundsätzliches:

Kritik, das ist im Bereich des Ästhetischen eine Auseinandersetzung, in der das Kunstwerk öffentlich reflektiert wird. Zugleich verständigt sich, über diese Form von Kritik, eine Öffentlichkeit über sich selbst, ihre Prämissen und Präferenzen. Ort dieser Kritik ist zuallererst die Tageszeitung, auch beim Film.

Und wie immer, wenn es um Öffentlichkeit geht, ist die Frage nach der Rolle des Internets nicht weit. So kommt der Autor, seit 1984 verantwortlich für Film bei der NZZ, zum Schluss:

Das Blog im Internet braucht an gedanklicher Schärfe nicht hinter der Rezension in der Tageszeitung zurückzustehen; an Umfang und damit möglicher Vertiefung ebenso wie in der radikalen Subjektivität ist es ihr ohnehin überlegen. Nicht vergleichbar ist es, zumindest auf absehbare Zeit, mit deren eingangs geschilderter Funktion als Forum öffentlicher Auseinandersetzung und Bewusstseinsbildung.

Dienstag, 9. Juni 2009 von Karin S. Wozonig
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Der Ort im Kaffeehausgespräch

Nächste Woche geht es weiter mit dem literarischen Salon, in dem über alles gesprochen wird: „Mit anderen Augen. Orte in der Literatur“ lautet das Thema für das Juni-Kaffeehausgespräch. Vielleicht kommen die Bücher von Dan Brown zur Sprache – Stichwort falsche Stadtpläne von Rom und Paris. Vielleicht wird aber auch über Paul Scheerbart gesprochen, den hatten wir noch nicht, obwohl es den Salon seit über einem Jahr gibt.

Zeit: Mittwoch, 17. Juni 2009, 19.30
Ort: Café Heile Welt, Weidenallee 10 b (Hinterhof), 20357 Hamburg

Freitag, 5. Juni 2009 von Karin S. Wozonig
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Nochmals Tarock oder Der gute Mensch in der Rotenturmstraße

Aus dem Tagebuch von Marie von Ebner-Eschenbach, 16. 5. 1875:

Nachm. kam Ida u. Betty Paoli, wir plauderten bis Moriz sich einfand, der eine Partie Tarok proponirte, u. es wurde bis 8 Uhr gespielt. B. P. hatte ein ganz horrendes Unglück „Das geht über meine Verhältnisse!“ Moriz behauptete, ich hätte verstohlen ihre Marken aus unseren Büchsen in die ihre zurück escamotirt.

Montag, 1. Juni 2009 von Karin S. Wozonig
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Chaostheoretische Literaturwissenschaft als Kulturanalyse

Von ihrer ersten Formulierung in den 1970er Jahren an übte die sogenannte Chaosforschung eine starke Anziehungskraft auf Geisteswissenschaftler(innen), Philosoph(inn)en und Soziolog(inn)en aus. Der Lorenz-Attraktor, Iteration, Bifurkation und die Beschreibung von Dynamiken der Selbstorganisation haben auch die Aufmerksamkeit von Literaturwissenschaftler(innen) geweckt. Von den Anfängen bis zum Ende der 1990er Jahre wurden literaturwissenschaftliche Arbeiten, die von der sogenannten Chaosforschung inspiriert waren, oft mit der Bemerkung geschlossen, es werde sich erst in Zukunft weisen, ob der Ideentransfer aus der Naturwissenschaft die Literaturwissenschaft bereichern könne, ob die Terminologie der „neuen Physik“ etwas zur Analyse des Gegenstandsbereichs und zur Erklärungsmacht der Disziplin würde beitragen können. Mittlerweile lässt sich feststellen, dass der Ansatz „chaostheoretische Literaturwissenschaft“ einige Einsichten in den Gegenstandsbereich der Literaturwissenschaft und sehr viele in die Disziplin bringt. Darüber hinaus kann konstatiert werden, dass ihre Einfügung in ein Repertoire kulturanalytischer Instrumente die „chaostheoretische Literaturwissenschaft“ zur methodischen und theoretischen Bereicherung einer Literaturwissenschaft im Rahmen der Kulturwissenschaften macht.

Auszug aus der deutschen Fassung von: Karin S. Wozonig: Teória chaosu a literárna veda. In: Slovak Review of World Literature Research 2/XVI (2007) S. 35-43. Übersetzt von Roman Mikuláš

Mittwoch, 27. Mai 2009 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli über Zufall, Ordnung, Chaos und die Poesie

Die Wirklichkeit mit ihren tausend Zufälligkeiten ist gleichsam ein Nebel, der unseren geistigen Blick beschränkt, beirrt und ihn hindert, die Erscheinungen in ihrer Totalität aufzufassen. Die Poesie hat den Beruf, ihn mit ihrem mächtigen Odem zu zerstreuen und aus dem wüsten Chaos eine von ethischen Gesetzen beherrschte Welt zu schaffen.

Aus Betty Paoli: „Božena“. In: Betty Paoli: Gesammelte Aufsätze. Eingeleitet und herausgegebene von Helene Bettel-Gabillon. Wien 1908 (Erstdruck in der Beilage zur Augsburger Allgemeinen Zeitung, 1876)

Sonntag, 24. Mai 2009 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli intertextuell

Auf dem Portal readme.cc ist eine Besprechung des Romans „Schloß und Fabrik“ von Louise Otto-Peters zu lesen. Den 23 Kapiteln dieses Buchs sind Zitate aus Werken zeitgenössischer Autorinnen und Autoren vorangestellt. Vertreten sind unter anderem Anastasius Grün, Ferdinand Freiligrath und Georg Herwegh. Vier Kapitel werden von Zitaten von Betty Paoli eingeleitet:

„Was er mir ist? O, frage Blumenkelche,
Was ihnen wohl der Thau, der sie besprengt?“

„Herz ward vom Herzen blutend losgerissen,
Und jetzt auf meinem Sterbelager muß
Ich Deines Anblicks süßen Trost vermissen.“

„An dem hellsten Sommertag,
Unter Zweigen lichtdurchbrochen,
Bei der Lerchen Jubelschlag
Hab‘ ich Dich zuerst gesprochen.“

„O heilge Stunde, wo in Gottes Strahl
Zwei Menschenherzen ineinander schauen.“

Mittwoch, 20. Mai 2009 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli und die Tarockpartie

Aus dem Tagebuch von Marie von Ebner-Eschenbach, 17. Mai 1891: „Nm bei Ida. Richard machte eine photographische Aufnahme der Tarok Partie bei Magnesium Licht.“

Montag, 18. Mai 2009 von Karin S. Wozonig
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Nestroy rules!

Zu meiner Freude wurde ein Text von mir in der Zeitschrift Nestroyana aufgenommen, die neue Nummer ist soeben erschienen. Ich schreibe immer gern über Betty Paoli, aber in diesem Fall war es mir ein besonderes Vergnügen. Nicht nur, weil ich das Thema  „Betty Paoli und die schönen Frauen“ (mit den schönen Frauen sind Schauspielerinnen gemeint) höchst interessant finde, sondern auch wegen der Vorgeschichte des Texts, der auf einem Vortrag bei den Nestroy-Gesprächen in Schwechat basiert. Diese traditionsreiche Veranstaltung wird mir als eine  besondere wissenschaftliche Konferenz in Erinnerung bleiben; wegen des Veranstaltungsorts (Schloss), der Unterbringung (mitten in einem idyllischen Park) und der großartigen Verpflegung (ja, ja, die österreichische Küche). Und vor allem wegen der Atmosphäre des Wohlwollens, in der sich die Wissenschaftler(innen) begegneten, produktive Kritik eingeschlossen.

Vielleicht schärft die Beschäftigung mit Nestroy, dem geistreichen Beobachter von Standesdünkel und Profilierungssucht, die Aufmerksamkeit für unnötiges akademisches Imponiergehabe und macht davor gefeit, vielleicht liegt es am genius loci – wie dem auch sei: An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Jürgen Hein und an die Schriftleitung der Nestroyana, Ulrike Tanzer und W. E. Yates.

Freitag, 15. Mai 2009 von Karin S. Wozonig
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Sprache, die das Internet fordert

Heribert Seifert sagt nach einer Analyse der Internetnutzung deutscher Politiker:

Deutsche Parteien und Politiker treffen im Netz selten oder nie die dort geforderte spezifische Mischung von Authentizität und informeller Ansprache.