Montag, 7. August 2017 von Karin S. Wozonig
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Sommertheater mit Blick auf patriarchale Brutalität

Das hätte schief gehen können: Die Stimme aus dem Off in der grandiosen Erzählung „Die Totenwacht“ von Marie von Ebner-Eschenbach wird dramatisch in der toten Mutter personifiziert, und gemeinsam mit der nicht korrumpierbaren vergewaltigten Protagonistin Anna enthüllt sie die patriarchale Brutalität in der ärmlichen Behausung. Die befindet sich „Am Ende eines kleinen Dorfes“, so der Anfang der Erzählung, den die Regisseurin Anna Maria Krassnigg ihrer Produktion am Thalhof in Reichenau als Titel mitgibt.

Doina Weber spielt die tote Mutter. Zu Beginn des Stücks liegt sie aufgebahrt in einer Art Fensternische. Die Requisiten-Fenster (stammen die eigentlich von der Thalhof-Baustelle?) auf und die echten Fenster hinter der Bühne des Theaterraums sind, bis hin zum abschließenden cleveren Regieeinfall, ihre props. Durch diese Fenster wirft sie Blicke in die Vergangenheit mit dem saufenden, prügelnden Vater und auf das Geschehen der Gegenwart, in der Anna auf Georg trifft, den reichen Nachbarssohn, der sie vergewaltigt und mit dem dabei gezeugten Kind alleingelassen hat, seine Vaterschaft abstreitend.

Georg kommt, um Anna in der Nacht der Totenwacht zu sagen, dass ihre Mutter ihm verziehen habe – bis kurz vor ihrem Tod hat sie ihm noch gedroht, ihn beim Herrgott zu verklagen – und er jetzt bereit sei, Anna zu heiraten. Petra Gstrein gibt eine für meinen Geschmack etwas gefühlige, aber überzeugende Anna. Auch das hätte schief gehen können: eine Erzählung der immer an ihrem Deutsch feilenden Autorin Marie von Ebner-Eschenbach, deren Figuren, wenn sie am Ende eines kleinen Dorfes (in der Erzählung übrigens im Marchfeld) wohnen, einen literarisierten Dialekt sprechen, als Teil-Mundartstück zu inszenieren. Aber beide Ideen gehen beinahe restlos auf: die im Leben „übergute“ und in der wesentlichen Sache ahnungslose tote Mutter als Erzählerin und die emanzipierte, starke Anna als eigentlich weichherzige Tirolerin. Da steht quasi ein Aphorismus Ebner-Eschenbachs auf der Bühne: „Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft, es kommt auf das Material an.“

Von der Erzählung fehlt übrigens in dieser Inszenierung praktisch kein Wort und das spricht für beide. Nicht ganz so gelungen ist die Darstellung der rhetorischen Kargheit von Georg, in der Erzählung das Ergebnis einer ambivalenten Mischung aus Arroganz, Verlegenheit und Unbeholfenheit. Während die popkulturelle Assoziation bei der mit Totenbinden umwickelten Mutter zum Film „Die Mumie“ gleich wieder verfliegt – übrig bleibt vielleicht die religiöse Anspielung auf den von den Toten erweckten Lazarus –, sind die Schnaufer und Grunzer von Georg, gespielt von Jens Ole Schmieder, die sehr an Arnold Schwarzenegger als „Conan der Barbar“ erinnern, nur schwer auszublenden oder als Zeichen mangelnder Eloquenz zu integrieren. Insgesamt ist das Stück aber erstklassiges, gewagtes Sommertheater.

Donnerstag, 3. August 2017 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli zur aktuellen Wetterlage (Wien)

Der Zustand […] läßt sich, was das Physische betrifft, mit keinem andern, in Bezug auf das Moralische etwa mit dem grauenvollen ersten Stadium der Seekrankheit vergleichen; dieselbe Indifferenz, dieselbe Stumpfheit tritt ein, das Herz weiß nichts mehr was das Auge sieht […] der Scirocco entwaffnet den Gegner ehe noch der Kampf beginnt, er verwandelt deine Nerven in abgewirbelte Saiten und dein Gehirn in eine siedende Masse von nicht mehr zu bestimmender Substanz, er lähmt die Elasticität deiner Sehnen und macht dein sonst so rasch durch die Adern rollendes Blut stocken […]
Solche Siroccotage sind peinlicher als sich ausdrücken läßt. Müde, verdrossen, zerschlagen, verläßt man am Morgen sein Bett, man findet, wie Hamlet, das Leben des Aus- und Anziehens nicht werth, und an allen Gliedern gelähmt, braucht man in der That zwei Stunden, um dies große Werk zu Stande zu bringen. Endlich ist es vollbracht. Nun will man sich beschäftigen, etwa einen Brief schreiben; da findet sich’s, daß die Tinte vertrocknet, das Papier feucht und in unserm Gedankenstrom die trostloseste Ebbe eingetreten ist. Man kennt weder Freund noch Feind mehr, der Haß und unsere Liebe lassen matt wie kranke Vögel die Flügel hängen. Vor Allem sollte man aber in solchem Zustand keinen Geschäftsbrief schreiben, denn bei dieser Gleichgiltigkeit für die ganze Welt, unsere werthe Person miteinbegriffen, wie vermöchte man da seinen Vortheil zu wahren? – Wenn es hoch kommt bringt man es dahin eine Seite mit langweiligem Unsinn zu füllen, dann wirft man, sich selbst verachtend die Feder weg. Da es mit dem Schreiben doch nicht geht, will man es mit dem Lesen versuchen. Wehe dem unglücklichen Autor, dessen Werk in unsere Hände fällt! Seine Kraft wird uns für Roheit, seine Grazie für Geziertheit gelten, wir werden uns über seinen Scherz ärgern und über seinen Ernst mitleidig die Achseln zucken …

Betty Paoli: Reisememoiretten, Lloyd 1852

Dienstag, 25. Juli 2017 von Karin S. Wozonig
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Endlich wieder Biedermeier

Ich möchte eine Neuerscheinung anzeigen: WAS Nr. 110

WAS – eine Zeitschrift in Buchform. Zum Vor-, Mit- und Nachdenken. Mit Themen diesseits realer Utopie, jenseits unwirklichen Zeitgeists. Interpretiert aus unterschiedlichen Perspektiven von Literaten, Wissenschaftern, Unternehmern, Realisten und Visionären – Männern wie Frauen.

sagt die Verlagsseite. Und in der neuesten Nummer mit dem Titel „wieder bieder“ fragen sich Autorinnen und Autoren mit dem Herausgeber Michael Steiner:

Leben wir in einem neuen Zeitalter des Biedermeier?

Wieso neues Zeitalter? Frage ich zurück. Wir sind nie wirklich herausgekommen aus dem Biedermeier. Aber der Befund im Editorial ist sicher richtig:

Das Biedermeier ist zu einer Metapher des Unpolitischen geworden – mit Neuauflage in der Gegenwart: Rückzug ins Private, Wunsch nach Autoritäten, denen die Verantwortung für Gestaltung abgegeben wird, bei gleichzeitiger Kritik an allem Bestehenden.

Der historisch begründete Einspruch, die Zweifel und der Aufruf zum Denken folgen auf den Fuß:

Ja – aber: War das Biedermeier wirklich so biederlich? Wie bieder ist das Private – wie viel davon brauchen und wollen wir? Wie bieder ist derzeit das Öffentliche, „die Politik“? Ist die Trennung von privatem und öffentlichem Raum noch zulässig?

„wieder bieder“ ist ein Plädoyer für ein neues Aufklärungsdenken, das Verantwortung für das Private und Öffentliche gleichermaßen ernst nimmt.

Ich bin ja immer dafür, dass man das Biedermeier von allen Seiten beleuchtet, von der parodistischen bis zur bärtigen. Als man mir die Gelegenheit gegeben hat, etwas zu „wieder bieder“ beizutragen – danke! -, habe ich mich für das Thema gesellige Zusammenkünfte entschieden. Ja, Betty Paoli kommt darin auch vor.

Literarische Steilvorlage

In der Umgebung von Reichenau kann man gut wandern. Das hat schon der große, schöne Burgschauspieler Ludwig Gabillon gewusst, der 1854 über Reichenau und das Höllental nach Mariazell gegangen ist, wie wir aus einem Brief an seine sehr enge Freundin Betty Paoli wissen. Heutzutage kann man vorher, nachher oder stattdessen auf der Terrasse vom Knappenhof sitzen und die Aussicht bewundern; oder die gastfreundliche Gelassenheit der Chefin.

Ein gelungener Abschluss eines Tages in Reichenau und Umgebung könnte zum Beispiel auch ein Besuch im Thalhof sein. Dort gibt es ein feines Kulturprogramm, gestaltet vom „Salon 5“ unter dem vertrauenerweckenden Motto „in plot we trust!“; zum Beispiel einen Soloabend mit Texten von Virginia Woolf („Der Fels und die Wellen“), eine beeindruckende schauspielerische Leistung von Petra Gstrein. Aber das haben Sie verpasst, zumindest im Thalhof.

Was Sie auf jeden Fall im Thalhof sehen können, ist die beklemmend gute Erzählung „Die Totenwacht“ von Marie von Ebner-Eschenbach, entstanden 1892, in dramatisierter Form. Regie führt Anna Maria Krassnigg, Premiere ist am 4. August. Petra Gstrein – wenn sie immer so intensiv spielt, wie in dem Virginia-Woolf-Monolog, gern auch „die Gstrein“ – spielt Anna, eine Frau, die sich weigert, ihren Vergewaltiger zu heiraten. Das ist nur eine mögliche Interpretation der Gewalterfahrungen, von denen die Figur geprägt ist. Eindeutig ist, dass Anna nicht bereit ist, sich für äußerlich bequemere Bedingungen, z.B. ein schönes Haus, innerlich zu verbiegen.

Sicher interessant wird „Raxleuchten“, eine „szenisch-musikalische Reise durch 200 Jahre Thalhof-Literatur“, zusammengestellt von Evelyne Polt-Heinzl, Mitherausgeberin der neuen Ebner-Eschenbach-Leseausgabe. Premiere von „Raxleuchten“ ist am 6. August. Auch ein Salongespräch mit Polt-Heinzl wird es geben.

Auf Marie von Ebner-Eschenbach trifft wohl auch zu, was im Programm des Thalhofs mit einem Rax-steilen Superlativ über Virginia Woolf gesagt wird: Ihre unausweichlichste Beziehung war die zu ihrem eigenen Schreiben.

Sonntag, 16. April 2017 von Karin S. Wozonig
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Umzug ohne Unterlass

Marie von Ebner-Eschenbach an Josephine von Knorr, 19. April 1856

Es ist ein großer Tag, der von welchem ich spreche – ein Tag an dem die verborgensten Schätze aus Kisten und Kasten, die jahrelang in ehrwürdigem Staube und tiefster Verborgenheit ruhten, hervorgenommen werden, um abermals nach kurzem Dérangement, in ihre frühere Einsamkeit zurückzukehren. Die Philosophie eines jeden Einpackens ist bei mir: Wie viele unnütze Sachen schleppt man mit sich die neben einem absterben, die man nie brauchte u. nie brauchen wird, und sich doch nicht entschließen kann wegzuschenken. Noch bin ich nicht dahinter gekommen dieses psychologische Rätzel zu lösen – warum beladen wir uns mit so viel Kraffel? Wenn Du mir Antwort darauf geben kannst so lasse es nicht unter – Wenn Goethe sagt „Sie saßen gegen einander über“ warum sollte Marie Ebner nicht sagen: „laße es nicht unter“? – Es wäre wirklich kein Grund dafür – wenn die Großen der Litteratur sich was erlauben dürfen, so thu ich es auch – denn was nicht ist kann werden und wenn ich auch nicht dieselben Sachen sage wie Goethe, so kann man das auf Rechnung meiner Verschloßenheit setzen – daß ich nicht eben so vortrefflich denke kann mir Niemand beweisen.

Sonntag, 19. März 2017 von Karin S. Wozonig
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Feministisch schauen im Museum

Apropos Frauentag: Vor kurzem habe ich – ich weiß nicht mehr wo und von wem; man liest ja so viel – eine Beschwerde darüber gelesen, dass die Kritik zu zahm sei. So ganz allgemein. Und dass nichts mehr richtig verrissen würde, sondern auch das für schlecht Befundene noch als „interessant“ bezeichnet würde. Stimmt. Ein bisschen hat das natürlich mit den nicht geringer gewordenen Abhängigkeiten der Kritikerinnen und Kritiker zu tun, noch mehr aber mit einer gewissen Dickhäutigkeit oder gar Gleichgültigkeit gegenüber nicht gerechtfertigter Beliebigkeit, die ein seltsames Erbe der sogenannten Postmoderne ist.

Unlängst habe ich das an mir selbst beobachtet. Ich war im Kunsthistorischen Museum in Wien. Dort laufen zur Zeit wieder Veranstaltungen der Ganymed-Reihe, des sehr löblichen Versuchs, Exponate zur Inspirationsquelle zu machen; explizit, denn implizit sind sie das ja wohl hoffentlich auch ohne Extra-Veranstaltung.

Diesmal geht es um – hier also die Verbindung zum Frauentag –„Ganymed Fe male“, um „eine literarische und musikalische Reise durch die Gemäldegalerie“ mit „feministischem Blick“. Die verheißungsvolle Ankündigung lautet:

Entdecken Sie die alten Meister neu, erleben Sie Kunst mit all Ihren Sinnen, verändern Sie Ihren Blick! Theater, Musik, Tanz und Performance laden Sie ein, in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums das Heute im Gestern zu erforschen. Lassen Sie sich verführen und werden Sie Teil einer atemberaubenden Performance.

Das mit dem Teilwerden ist individuell regelbar. Mir wurde bei der Tanzperformance zu Der Selbstmord der Cleopatra von Guido Cagnacci die Hand aufgelegt, gegen eine Umarmung habe ich mich durch beidhändiges Festklammern an einer Sitzbank gewehrt; Ich glaube, ich bin nicht das ideale Publikum für derlei Erforschungen des Heute.

Wie auch immer: eine ganze Menge literarischer Texte hat Jacqueline Kornmüller für die Inszenierung gesammelt, von Milena Michiko Flašar (über Paar mit Spiegel von Hans von Aachen), Chimamanda Ngozi Adichie (über Mädchen im Pelz von Tizian), Anna Kim (über Die Entführung der Dina von Giuliano Bugiardini), Franz Schuh (über Maria Theresia mit der Statue des Friedens von Anton von Maron), Joanna Bator (über Das Pelzchen von Rubens), Zadie Smith (über Alte Frau von Balthasar Denner) und mehr. Die Texte werden von Schauspielerinnen und Schauspielern im Raum mit dem jeweils als Inspiration dienenden Bild vorgetragen.

Zusammenhänge zwischen den Bildern und den Texten bzw. ihrer Aufführung sind mehr oder weniger erkennbar. Aber insgesamt hat das nicht Hand, nicht Fuß. Und damit bin ich bei der nicht gerechtfertigten Beliebigkeit. Für das „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“ des Direktors aus dem „Faust“ sind fünfzehn Stationen (literarisch, musikalisch [u.a. Die Strottern], tänzerisch) in einer sehr großen Bildergalerie zu wenig. Deshalb braucht das ganze ein Konzept, der feministische Blick ist aber keines. Zwischen plattem Manifest und Gewaltschilderung wird alles Mögliche verbraten, frei nach dem Motto „Ich mach was mit Frauen.“ Das reicht nicht. Oder höchstens für „interessant“.

Dienstag, 24. Januar 2017 von Karin S. Wozonig
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Zu Tisch in Bremen

Völlig zu Recht hat Terézia Mora den Bremer Literaturpreis bekommen. Ausgezeichnet wurde ihr Band Erzählungen mit dem Titel „Die Liebe unter Aliens“, einem Titel, von dem Lothar Müller bei der traditionellen Vorabendlesung mit Gespräch am Sonntag in der „Glocke“ gesagt hat, es könnte auch ein Filmtitel sein. Zuerst habe ich mich darüber gewundert, dass die Autorin bei dieser Bemerkung ganz ungerührt geblieben ist, aber jetzt denke ich, es liegt daran, dass sie „Drehbuch studiert“ hat. Das erklärt auf jeden Fall die szenische Qualität einiger ihrer Erzählungen. Das Gespräch führte Lothar Müller mit Terézia Mora und mit dem Förderpreisträger Senthuran Varatharajah (neinnein, so schwierig ist der Name gar nicht; den könnte sich auch ein Bremer Bürgermeister merken, wenn er wollte).

Zu meinem Bedauern las Mora von ihrer Titelerzählung an dem Abend nur ungefähr die Hälfte. Obwohl ich sie schon kenne, hätte ich sie von der Autorin gern ganz gehört. Die Erzählerin macht keinen Hehl daraus, dass sie die beiden Hauptfiguren mag, und Mora liest das auch genau so. Man muss die Sympathie übrigens nicht teilen. Das ist eine andere Qualität der Erzählungen. Die Figuren sind überzeugend durchschnittlich bis unterdurchschnittlich und gelegentlich too close to home, um in die Leser-Komfortzone zu passen. Manche Figuren sind auch auf jene unspektakuläre Art unglücklich, die an ästhetische Beleidigung grenzt. Und dann kann es aber auch sein, dass sie gar nicht unglücklich sind. Man weiß es nicht so genau. Terézia Moras Erzählungen sind richtig für Menschen, die sich auf hohem Niveau von Alice Munro erholen wollen.

Nach der erhellenden Laudatio von Roman Bucheli befleißigte sich die Preisträgerin gewitzt des Genres der Dankeserzählung. Jetzt wissen wir, dass sie auf dem Flughafen von Bordeaux erfahren hat, dass sie den Bremer Literaturpreis bekommen hat; dass sie sich bei der Botschaft nicht sofort einen Haxen ausgefreut hat (weil so ein Preis nämlich mit einer Dankesrede verbunden ist – was ihr nicht liegt); und dass ein Tisch, auf dem Chaoschaoschaos herrscht und den man mit einer Neunjährigen und ihrem Vater teilt, zwar keine Bedingung für das Schreiben guter Literatur ist, aber auch kein permanentes Hindernis.

Montag, 16. Januar 2017 von Karin S. Wozonig
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Zeit für Grillparzer

Es wird Zeit, dass wir wieder einmal ausführlich über Grillparzer reden, dessen Nachlass sich übrigens entgegen anderslautenden Gerüchten nicht irgendwo, sondern in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus befindet – just dort, wo auch der Nachlass von Betty Paoli liegt.

Donnerstag, 8. Dezember 2016 von Karin S. Wozonig
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Doderer-PR

Haben Sie schon einmal etwas von Heimito von Doderer gelesen? – Schämen Sie sich. In Hamburg gibt es sogar einen Lesezirkel, der sich der Strudelhofstiege verschrieben hat! Und seit dem Heimito-von-Doderer-Abend im Hamburger Literaturhaus am 6. Dezember gibt es mit ziemlicher Sicherheit ein paar Dodererfans mehr. Das war die reinste Werbeveranstaltung. Begonnen hat es damit, dass Helmut Mooshammer Doderer gelesen hat, und zwar grandios. (Der Steirer als solcher ist überhaupt sehr anpassungsfähig.) Weitergegangen ist es mit den informativen und unterhaltsamen Ausführungen von Eva Menasse, Autorin eines Doderer-Buchs in der Reihe „Leben in Bildern“, und von Klaus Nüchtern, Verfasser von Kontinent Doderer. Eine Durchquerung.

Das übliche Literaturhauspublikum war durchsetzt von Inseln mit Informationsvorsprung, einerseits bestehend aus Teilnehmerinnen und Teilnehmern des erwähnten Lesezirkels (dem Leseclub des Literaturhauses), andererseits aus solchen Gästen, die qua Herkunft oder Interesse des Österreichischen in seiner Wiener Ausformung mächtig sind. Zu bemerken war das in Phasen des Hinterhérlachens. Während die informierten Inseln auf großartig vorgetragenen Passagen aus z.B. den Dämonen (Café Kaunitz!) unmittelbar mit Gelächter reagierten, musste der Rest erst einmal die Syntax und die gewagten Metaphern im Geiste zurechtruckeln und die Reaktionen waren entsprechend verzögert. Sehr deutlich war dieser Effekt auch bei den Ausführungen von Klaus Nüchtern, der flockiges Österreichisch geredet und dabei z.B. die Vokabeln „schnackseln“ und „pudern“ verwendet hat. Ich vermute, einigen im Raum ist die Bedeutung erst klargeworden, als Eva Menasse helfend eingesprungen ist.

Übrigens sind wir Eva Menasse nicht nur für diese Aufklärungsarbeit zu Dank verpflichtet, sondern auch für die sanfte Lenkung der Veranstaltung. Ohne ihr Eingreifen säßen wir heute noch im Literaturhaus, hörten Klaus Nüchtern zu, und in ganz Hamburg-Uhlenhorst gäbe es kein Bier mehr zu kaufen.

Aber zurück zur Literatur. Wenn Sie in Wien leben: Kramen Sie Ihre dtv-Ausgabe der Strudelhofstiege hervor (oder kaufen Sie die neue von C. H. Beck) und lesen Sie, wie eine (Ihre) Stadt zur 300xten Figur in einem Roman wird. Dann lesen Sie das Doderer-Buch von Klaus Nüchtern und verschenken das von Eva Menasse zu Weihnachten oder umgekehrt. Falls Sie das Pech haben, nicht in Wien zu leben und die Stadt noch nicht zu kennen, und falls Sie noch nie Doderer gelesen haben, folgen Sie dem Rat von Eva Menasse, die meint, man sollte mit Doderer nicht gerade mit der Strudelhofstiege anfangen, weil man sich da nicht auskennt, so ganz ohne Plot. Lesen Sie Die Wasserfälle von Slunj. Bei den Doderer-Büchern von Nüchtern und Menasse gilt aber auch für Sie: Kaufen, selbst lesen und: verschenken und Werbung für die Romane von Doderer machen, den besten Anachronismus, den die österreichische Literatur des 20. Jahrhunderts aufzuweisen hat.

Dienstag, 6. Dezember 2016 von Karin S. Wozonig
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Dieser Blog läuft seit acht Jahren

Aus diesem Grund verweise ich Sie, verehrte Leserinnen und Leser, auf meinen allerersten Blogeintrag. Er trägt den Titel „Ich lebe im Schlaraffenland“, ist am 2. Dezember 2008 online gegangen und stimmt noch immer. Mit so viel Kontinuität schafft man es auch, in dilimag, Sammlung digitaler Literaturmagazine des Innsbrucker Zeitungsarchivs, aufgenommen zu werden.

Dank an alle, die ihr Interesse an karin-schreibt.org durch Kommentare, E-Mails und im persönlichen Gespräch bekundet haben und bekunden.