Donnerstag, 16. September 2010 von Karin S. Wozonig
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Bunterlei über schreibende Frauen

Auch das weibliche Geschlecht will nicht hinter dem Zeitgeiste zurückbleiben. Auch dieses will seine Denkmale haben. Mehrere würtembergische Frauenvereine haben den Aufruf ergehen lassen, um Beiträge zu einem Monumente für die geschichtlich bekannte Weibertreue in Weinsberg. Das läßt sich noch hören; ein solches außerordentliches Beispiel, das sich vielleicht nicht mehr wiederholen dürfte, verdient, daß man seine Erinnerung durch ein Denkmal aufrecht halte, nur soll das zarte Geschlecht nicht weiter gehen wollen, und einst vielleicht eine Amalie Schoppe, Fanny Tarnow, Therese Huber, oder irgend eine andere strumpfstrickende Schriftstellerin in Stein verewigen wollen.

“Bunterlei” im Humorist, 13. September 1837

Montag, 30. August 2010 von Karin S. Wozonig
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Die lyrische Frauenfrage

Am 30. August 1837 erschien im “Humorist” ein Gedicht Betty Paolis, in dem sich das lyrische Ich Gedanken über die Frauenfrage auf poetischem Gebiet macht. Das Gedicht heißt “Die Dichterin” und beginnt mit den Versen

Viel Muth braucht man in unsern Tagen,
(Ja Muth! nicht nur Beruf allein),
Sich an die Lira noch zu wagen,
Hat man das Unglück Weib zu sein.
Als Geißel in des Lebens Kreisen
Bezeichnet man die Dichterin,
Allein, wie dieses zu erweisen,
Will mir doch nimmer in den Sinn.

In diesem Zusammenhang sei auf Grillparzers Stammbuchspruch für die Autorin Josephine von Remekházy verwiesen.

Mittwoch, 25. August 2010 von Karin S. Wozonig
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Reiseprojekte

Vor einigen Tagen berichtete ich über die 1837 von dem eloquenten Spötter M. G. Saphir gegründete Zeitschrift “Der Humorist”. Am 20. Oktober 1837 erschien in diesem Blatt das Gedicht “Reiseprojekte” von Betty Paoli, das, da zur Saison passend, in seiner vollen Länge zitiert sei:

Reiseprojekte

Ihr hohen Kathedralen
Am alten, heil’gen Rhein,
Umspielt von tausend Strahlen,
Im hellen Sonnenschein;
Ihr stolzgethürmten Zinnen,
Auf Bergen rebumblüht,
O wie es mich von hinnen
In eure Nähe zieht!

Und wie’s mich sehnend ziehet
In’s schöne Frankenland,
Wo frei der Ölbaum blühet,
An blum’ger Bergeswand;
Wo aus dem Blättergrunde
Hell die Orange blinkt,
Und wo voll süßer Kunde
Vaucluse hernieder winkt!

Mein Rom, mein ewig hehres
Sorrent‘, Neapolis,
Du schöne Braut des Meeres,
Du irdisch Paradies,
Alhambra, edle Trümmer,
Und du, Escurial,
Erscheint ein Rosenschimmer
Dem Sehnen allzumal! -

So streifet mein Begehren,
Hin durch die weite Welt,
Und wer will mir verwehren
Zu zieh’n, wenn mir’s gefällt?
Das Leben steht mir offen,
Mich hält nicht Amt noch Pflicht
Hier fest, und auch kein Hoffen
Und Glück auch wahrlich nicht!

Von einem Jahr zum andern
Schob ich die Reise auf,
Begonnen sei das Wandern,
Der lebensrasche Lauf!
Will in die Weite streben,
Will morgen sein bereit!
“Gewiß?” – O du mein Leben,
Stets morgen, niemals heut!

Freitag, 20. August 2010 von Karin S. Wozonig
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Der feuilletonistische Witz von Saphir

Warum fürchten so viele Schriftsteller den Tod so sehr? Weil sie jenseits ganz leer ankommen werden, denn der Mensch nimmt nichts mit als seine guten Werke.
Moritz Gottlieb Saphir

Moritz Gottlieb Saphir (1795-1858) war Kritiker und Feuilletonist. Er gründete 1837 die Zeitschrift “Der Humorist”, in der er seine polemischen Kritiken und spöttischen Kommentare zum Zeitgeschehen veröffentlichte. Damit legte er sich unter anderem mit Nestroy an. Eine Beiträgerin der Zeitschrift war Betty Paoli.

Montag, 15. März 2010 von Karin S. Wozonig
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März 1848, Teil 3

Der erste Frühlingsstrahl der Preßfreiheit!

Von M. G. Saphir

Drei Tage, inhaltsreicher als drei Jahrhunderte, sind an uns vorübergezogen, und reihen sich in die Blätter des Weltenruhmes ein als glorreiche Denkmäler eines hochherzigen, kräftigen und edlen Volkes! [...]

Preßfreiheit.

Edle Bewohner Wiens! Die Schriftstellerei Wiens wird beweisen, daß sie des Geschenkes der Preßfreiheit werth und würdig! Es muß die Aufgabe der besseren Literatur sein, zu beweisen, daß sie die “Preßfreiheit” nicht als Fackel will, sondern als Leuchte, nicht als Zunder, sondern als Balsam, nicht als Waffe, sondern als Schild, als ehernen Schild vor den höhern, mächtigen, heiligen Rechten des Volkes, des Rechtes, der Ordnung, der Sitte, als ehernen Schild vor allen Interessen der socialen Gesittung und der gesetzlichen Ordnung!

Wenn die Journalistik sich bis jetzt nicht durchaus und nicht immer die Achtung der Residenz erworben hat, so lag die Schuld an den Umständen, an dem Umstande, daß die Censur bisher die Journalistik auf ein kleines, kahles Gebiet eingepfercht hat; weil der Journalistik erst die Kraft gebrochen wurde, dann der Wille, und endlich auch die Lust zum Versuche, ein höheres Interesse zu besprechen, als jene der untersten Schichte der Literatur, der allernutzlosesten, der widerlichsten, der entnervendsten: Theater-, Ball- und Redouten-Rezension!

Die Zeit bringt ihr Bedürfniß hervor, wie sie die Menschen hervorbringt, deren sie bedarf. Nicht langer Vorschule bedarf das wahre Talent!

Der Humorist, 15. März 1848

Donnerstag, 11. März 2010 von Karin S. Wozonig
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März 1848, Teil 2

Am 15. d. M. geht im k.k. Hofburgtheater Halms neues Stück: “Verbot und Befehl”, zum Besten des Regisseurs, in die Szene.

Humorist, Wiener Tags-Courier, 11. März 1848

Mittwoch, 10. März 2010 von Karin S. Wozonig
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März 1848, Teil 1

Fanny Elßler trifft schon nächste Woche hier ein; die Preise der Blumen heben sich.

Humorist, Wiener Tags-Courier, 10. März 1848

Donnerstag, 3. September 2009 von Karin S. Wozonig
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Herbstmode

Wiener Mode-Bazar

Die letzten Sommertage, leider sind sie schon da! geben den Mousselines und brochirten Organdis noch den letzten Schwung. Die Volans machen diese Toilette frischer und hübscher. Schöne und einfache Toilettes geben die Mousselinkleider mit kleinen Streifen aus einem rosa, blauen, lilas Faden; drei oder vier Volans in derselben Nuance; Ermeln à la jardinière, und ein Fichu à la Charlotte Corday, aus ähnlichem Stoffe, dessen Vordertheile sich auf der Brust kreuzen, und wieder nach rückwärts gehend einen Gürtel bilden.

Allgemeiner Welt-Kourier. Wöchentliche Beilage zum Humoristen von M. G. Saphir (Zweiter Jahrgang). Nro. 36, Montag, 3. September 1838

Mittwoch, 26. August 2009 von Karin S. Wozonig
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Drucksprachfehler

Aha! Ein Druckfehler! Nein, ein Sprachfehler! Ein Drucksprachfehler! ein Sprachdruckfehler! gleich im ersten Blatt! “gewissen Leser” statt “gewisser Leser! das ist entsetzlich! der Mann kennt keine Grammatik! nicht die ersten Regeln der Sprache!” u.s.w.

Diesen Druck- oder Sprachfehler geb’ ich gleich verschwenderisch jenen Druck- und Sprachfehler-Schmeckern, jenen unermüdlichen Setzer-Antagonisten preis! Ein Druckfehler! Ein Sprachfehler! Victoria! “Ich schenk ihn euch zum ewigen Erb und Lehen. Doch theilt euch brüderlich darein!” Ich schenke jenen Buchstaben- und Silben- und Druckfehler-Mikrologen alle schon gebornen und noch zu geboren werdende Druckfehler, alle m statt n, alle dritte und vierte Fälle auf alle Fälle; ich vermache ihnen alle i tüpfel und alle ä striche, alle ss und alle ß, alle verwechselten großen und kleinen Buchstaben u. s. w. [...] und gestehe [...] daß wir die ungeheuerste Ehrfurcht für jene zarte Geistesgabe haben, alle Druckfehler so ohne weitere Vorrichtung heraus zu finden [...].

Moritz Gottlieb Saphir: “Druck- oder Sprachfehler zum Besten gewissen Leser.” In: Nachträgliche Ergänzungs-Blätter zum Humoristen von M. G. Saphir. No 1, Montag 2. Jänner 1837, S. 3