Die interessante Frage der Digitalisierung

Vor einiger Zeit habe ich einen Buchbeitrag zum Thema Literaturkritik im Medienwechsel verfasst. Ich habe hier in diesem Blog darüber berichtet, dass mich das Lesen einer konventionellen Buchbesprechung in einer so genannten Qualitätszeitung (gedruckt) von der Literatur wegtreiben könnte (hätte ich weniger Erfahrung mit solchen Besprechungen und mit Literatur), wohingegen mich Texte über Literatur, geschrieben von Menschen die auch Literatur schreiben, oft zur Literatur hinführen.

Über den Medienwechsel nachzudenken, bedeutet auch in Erwägung zu ziehen, dass Bücher aus Bytes weniger Buchqualität haben als Bücher aus Papier. Dagegen lässt sich einwenden, dass ohne google books oder ähnliche Digitalisierungsprojekte viele Bücher aus Papier verlorengehen würden. Oder dass manches Buch, das es nicht in die Presse schafft, elektronisch gelesen werden kann. Oder dass Literaturkonsum unter elektronischer Leserbeteiligung der Literatur einen größeren Stellenwert im täglichen Leben der Menschen einräumt; zumindest einer bestimmten Form von Literatur. In ein paar Jahren werden wir uns den Bauch halten vor Lachen über die Verwirrung, die „das Internet“ einst gestiftet hat.

Erschienen ist mein Beitrag über die Literaturkritik im Buch „Literatur und Digitalisierung“, herausgegeben von Christine Grond-Rigler und Wolfgang Straub. In ihrer Einleitung beobachten die beiden Herausgeber m.E. ganz richtig:

Die eigentlich interessante Frage ist nicht, ob es in Zukunft noch Bücher geben wird, sondern ob es weiterhin Literatur geben wird, die durch die besondere Kombination der drei Parameter Welthaltigkeit, individualisierte Autoren-Perspektive und Schriftlichkeit unser kulturelles Gedächtnis bereichern und prägen wird.

Dienstag, 3. Juli 2012 von Karin S. Wozonig
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Schnell reagiert

Eine Ergänzung zu meinem vorherigen Blogeintrag: Der Texter und Autor eines Schreibratgebers Aurel Gergey hat schnell reagiert und den Titel seiner Publikation gekürzt. Besser schreiben lernen. Guter Ausdruck macht Eindruck gibt es als Gratisdownload.

Samstag, 30. Juni 2012 von Karin S. Wozonig
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Kompakter Schreibkurs

Per E-Mail erreicht mich der Hinweis des Texters Aurel Gergey auf seinen Schreibratgeber mit dem umständlichen Titel “Besser schreiben lernen. Mit gutem Ausdruck Eindruck machen: ein kleiner Schreibkurs”, den es als Download gibt. Ich möchte den Ratgeber als Anleitung für das Schreiben leicht fasslicher Gebrauchstexte empfehlen. Einige Seiten beschäftigen sich auch mit dem Schreiben für das Internet und Gergey fasst darin zusammen, was bei nutzerorientierten Websites zu beachten ist. Keine neuen Erkenntnisse aber als “Faustregel-Sammlung”, wie der Autor sich ausdrückt, gut geeignet.

Montag, 4. Juni 2012 von Karin S. Wozonig
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Die gute Website und ihr Newsletter

Von der Brauchbarkeit (usability) zum (positiven) Erlebnis (experience) hat sich der Anspruch der User an eine gute Website in den letzten zehn Jahren gewandelt. Das beobachtet Benutzerfreund Jens Jacobsen, in diesem Blog mehrfach zitiert als einer der sich auskennt. Seit zehn Jahren verschickt er seinen lesenswerten Newsletter, herzliche Gratulation!

Donnerstag, 5. April 2012 von Karin S. Wozonig
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An Besessenheit grenzende Freude im Blog

Gerade fällt mir ein Tagungsbericht in die Hände, der mir bestätigt, dass es Zeit ist, eine Zwischenbilanz über das Bloggen zu ziehen. Mein Blog ist seit 2008 online und ich habe im Großen und Ganzen das gemacht, was ich mir anlässlich seiner Einrichtung vorgenommen habe: Ich dokumentiere meine Arbeit und stelle Wissen zur Verfügung. Ich erzähle es in meinem Blog, wenn ich einen Vortrag vorbereite, oder dass ich einen Artikel veröffentlicht habe und berichte aus der Werkstatt des Lesens und Schreibens. Vor allem aber teile ich mit meinen Leserinnen und Lesern Fundstücke, Zitate, Gedichte, bits and pieces, auf die ich bei meiner Arbeit stoße.

Die meisten Einträge habe ich unter „Literaturwissenschaft“ und hier unter „19. Jahrhundert“ kategorisiert. In der Schlagwortwolke dominiert die österreichische Dichterin Betty Paoli; Marie von Ebner-Eschenbach und Franz Grillparzer sind mit großem Abstand auf Platz 2 und 3. Mein Blog ist zum Spiegel meiner Interessen geworden. Und zugleich ist er eine Materialsammlung zur österreichischen Literatur des neunzehnten Jahrhunderts. Der persönliche Aspekt und der Aspekt des Sammelns und Bewahrens – beide sind für mich gleich wichtig.

Nach der Lektüre des oben erwähnten Berichts zur Tagung mit dem Titel „Weblogs in den Geisteswissenschaften oder: Vom Entstehen einer neuen Forschungskultur“ frage ich mich: Warum bloggen Historikerinnen und Historiker, während andere Geisteswissenschaftler(innen) in Bezug auf dieses Medium weiterhin Zurückhaltung üben? Lässt man die akademischen Fragen wie Prestige, Qualitätskontrolle und Zitierfähigkeit, über die in der Tagung ausführlich gesprochen wurde, einmal außer Acht, so kommt man zum Schluss: Wer historisch arbeitet, findet ständig irgendwelche Texte/Quellen/Belege/Gegenstände, die nicht unmittelbar für die eigene Forschung verwertet werden können, zumindest nicht sofort und nicht in einem ausführlichen Artikel, die aber so interessant sind, dass man sie herumzeigen möchte. Wo könnte man das besser als im WWW? Diese kindliche, an Besessenheit grenzende Freude am überraschenden Fund ist für mich eine der erfreulichsten Erscheinungen der Wissenschaft.

Samstag, 7. Januar 2012 von Karin S. Wozonig
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Die Annäherung des E-Readers an das gedruckte Buch

Ich habe vor einiger Zeit in diesem Blog geschrieben, dass ich mir den Amazon-E-Reader nicht kaufe, weil ich es unmöglich finde, dass ein Produkt, das mit Büchern zu tun hat, den Modellnamen „kindle“ (anzünden) trägt. Mir wurde seither mehrfach gesagt, dass damit nicht auf das Verbrennen von papierenen Büchern angespielt wird, sondern dass die Assoziation „entfachen der Leseleidenschaft“ geweckt werden sollte. Beinahe hätte ich das geglaubt. Nun heißt aber das neueste Modell des Amazon-E-Readers „Fire“.

Ganz abgesehen von diesem Benennungs-Missgriff, der wahrscheinlich darin begründet liegt, dass sich mit der E-Reader-Technik anfangs hauptsächlich Geeks ohne Geschichtsbewusstsein beschäftigt haben, ist der „Fire“ allerdings ein ziemlich beeindruckendes Gerät. Ich hatte vor zwei Wochen die Gelegenheit, mit einem zu spielen. Das kann man ziemlich gut, allerdings ohne Netzkabel nicht sehr lange. Der Stromverbrauch ist hoch, zu hoch für einen E-Reader, finde ich. Allerdings hängt das auch mit den Lesegewohnheiten zusammen. In meinem Leben gibt es durchaus Gelegenheiten, bei denen ich mehr als vier oder fünf Stunden ohne Unterbrechung fern einer Steckdose lese.

Aber der „Fire“ kann Farbe, Musik in akzeptabler Qualität und Filme – auch die, wie mir versichert wurde, durchaus gut. Das Gerät selbst verfügt über eine relativ geringe Speicherkapazität, denn Amazon will, dass seine Kunden möglichst alle Daten bei ihnen auf der „Cloud“ ablagern. Gelesen, gehört, gesehen wird also im Idealfall (aus der Sicht der Entwickler und des Anbieters) online. Der „Fire“ ist schön, handlich und er kann viel.

Mein E-Reader kann – nachdem ich das Firmware-„Upgrade“, das sich als totaler Programm-Müll entpuppt hat, wieder entfernt habe – keine Farbe, keine Filme und die Audioqualität reicht gerade für einen meiner Lieblings-Podcasts. Aber der tägliche Eintrag im „California Birthday Book“ von 1909 und der neue Roman von Umberto Eco werden zuverlässig und ohne großen Stromverbrauch angezeigt, und das ist es, was ich wollte.

Die Weiterentwicklung der E-Reader zeitigt interessante Folgen: Je mehr die Geräte können, desto näher (relativ gesehen) ist ein „alter“ E-Reader am gedruckten Buch.

Freitag, 14. Oktober 2011 von Karin S. Wozonig
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Alles wird immer besser

Zwei Autoren des Software Usability Research Laboratory (SURL) der Wichita State University, M. Phan & J. Teves, haben sich in einem Usability-Test mit zwei E-Readern beschäftigt, nämlich mit dem Kindle 2 und dem Nook. Sie stellen dabei mit Hilfe der Technique for Human Error Assessment (THEA) Mängel bei der intuitiven Bedienbarkeit und bei der Klarheit bezüglich der Trennung unterschiedlicher Funktionalitäten fest. Die Autoren bemerken, dass der Bedarf an Verbesserung solcher Geräte gegeben ist und appellieren an die Anbieter:

..the arrival of various e-Readers in the market has given book enthusiasts an enriched reading experience. Not only are they able to carry thousands of books where ever they go, some of these devices also allow users to browse the web, play games, and listen to their favorite music. To lead this particular niche, companies should be constantly evaluating the design of their products to make sure that it continues to cater to the needs of the consumers.

Nachzulesen sind ihre  Ergebnisse im Usability Newsletter des Instituts.

Dienstag, 11. Oktober 2011 von Karin S. Wozonig
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Warnung und Wiederholung

Die Frage, ob sich das elektronische Lesen durchsetzen wird und sogenannte E-Books den gedruckten Büchern Konkurrenz machen werden, lässt sich mit Zahlen beantworten. Noch aussagekräftiger aber ist ein dpa-Interview, in dem der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, abschreckende Maßnahmen (Warnhinweise und Abmahnungen) gegen illegale Downloads fordert.

Montag, 8. August 2011 von Karin S. Wozonig
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Das Ende des Taschenbuchs

Ich habe mich in kurzer Zeit an meinen E-Reader gewöhnt und betrachte ihn, oder richtiger: die darauf geladenen Bücher als Bestandteil meiner Bibliothek. Verkaufszahlen die von Consultern, Verlagen und Buchhändlern veröffentlicht werden, lassen darauf schließen, dass sich das Prinzip E-Book durchsetzt. Oder doch nicht? Da sich mir Zahlen für gewöhnlich nur unter Anleitung erschließen, freue ich mich über den Blog von Mike Shatzkin, der gestern fragte: “Will print and ebook publishers ultimately be doing the same books?” Die Antwort ist hier nachzulesen.

Sonntag, 26. Juni 2011 von Karin S. Wozonig
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Über Literatur schreiben

Vor einiger Zeit habe ich mich im Zuge einer Recherche zum Thema „Literaturkritik und Internet“ intensiv mit Buchrezensionen im Feuilleton deutschsprachiger sogenannter Qualitätszeitungen befasst. Eine geballte Ladung Borniertheit eines Kritikers hat mich davongetrieben und ich habe mich daran erinnert, dass Literatur schreibende Menschen immer auch Literatur lesende Menschen sind, die gelegentlich über Literatur schreiben. Und so erfreue ich mich seit einiger Zeit an den Texten von Ruth Klüger („Was Frauen schreiben“, Wien 2010) und Brigitte Kronauer („Favoriten. Aufsätze zur Literatur“, Stuttgart 2010). Die beiden Autorinnen schreiben unter anderem über Werke und Leben von J.K. Rowling, Margaret Atwood, Wilhelm Raabe, Robert Walser und Jean Paul. Das tun sie fast immer in einem Ton, der zur Literatur hinführt. Das sollte Literaturkritik meines Erachtens auch können und zwar begründet. Ich meine nicht, dass die Literaturkritik unbedingt zu einem besprochenen Werk hinführen sollte – Gefälligkeitskritiken gibt es ohnedies zu oft –, sondern dass Literaturkritik die Kunst, deren Material die Sprache ist, würdigen sollte. Das fällt jenen leichter, die es selbst einmal ausprobiert haben.