Samstag, 12. April 2014 von Karin S. Wozonig
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Leichte Kost

Manchmal lese ich Krimis, z.B. Klassiker wie Agatha Christie, auch Martha Grimes (interessante Figuren) oder so etwas wie Robert Galbraiths “Cuckoo’s Calling” (etwas zu lang aber gut gemacht, und ich bin gespannt, wie es mit Cormoran Strike weitergehen wird – für Juni ist die Fortsetzung angekündigt). Zuletzt habe ich mehrere Bücher von Nevada Barr gelesen, deren erfolgreichste Figur, Anna Pigeon, ein park ranger ist: Wenn die Handlung zu dünn oder zu abstrus wird, kann man sich immer noch über die Landschaftsbeschreibungen freuen.

Wegen des Lokalkolorits habe ich gerade “Mordswald” von M. C. Poets gelesen, ein Buch, dessen öffentliche Existenz sich dem Selfpublishing-Programm von Amazon verdankt. Der (wenn auch nicht ganz überzeugend motivierte) Showdown des Buchs zeigt, dass M. C. Poets bei der Dan-Brown-Lektüre gut aufgepasst hat, und die weibliche Hauptfigur mit ihrem (innerfiktional realen) “Familienroman” im Freudschen Sinn und dem Kickboxtraining hat auch bekannte unterhaltungsliterarische Vorbilder. Denen wird sie mit ein bisschen mehr psychologischer Profilierung wohl auch bald gerecht werden.

Unterhaltungsliteratur von Unterhaltungsliteratur lesenden Menschen, im Selbstverlag publiziert und über eine Plattform als E-Book zu beziehen – so wirds in Zukunft gehen.

Montag, 10. März 2014 von Karin S. Wozonig
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Wissen und Nichtwissen

Manchmal beschäftige ich mich mit Gegenwartsliteratur. Zum Beispiel im Rahmen eines Workshops, in dem es um den Buchmarkt gehen wird, um Neuerscheinungen, um Informationsquellen, die es ermöglichen, Spreu vom Weizen zu trennen, um Literaturkritik (ein Thema, das ich besonders interessant finde) etc.

In ein paar Wochen werde ich mich mit dem in diesem Blog schon öfter erwähnten Roman “Der einzige Ort” von Thomas Stangl bei einer Konferenz beschäftigen, die selbstbewusst den Titel “Literatur und Wissen” trägt. Hier gibt es das Programm als PDF.

Donnerstag, 14. November 2013 von Karin S. Wozonig
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Dilettantismus auf literaturkritik.de

Das Rezensionsforum literaturkritik.de, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ich viele Einsichten in das Thema Literaturkritik und Internet verdanke, bringt mir zwei Bücher zur Kenntnis, woraus sich etwas über Dilettantismus [Duden: Di|let|tan|tis|mus, der; - (laienhafte Beschäftigung mit etwas, Liebhaberei; Stümperhaftigkeit)] lernen ließe. Und zwar durchaus Unterschiedliches. Der Dilettantismus ist gerade im Zusammenhang mit der im Internet verbreiteten Literaturkritik besonders interessant (so finde ich, wie Sie hier lesen können), aber auch im Zusammenhang mit dem Schreiben von Literatur oder Geschichte.

Dietmar Jacobsen schreibt auf literaturkritik.de über ein Buch von Joachim Zelter mit dem Titel “Einen Blick werfen. Literaturnovelle” und konstatiert: “Über schriftstellerischen Dilettantismus als Zeitphänomen schreibt Joachim Zelter alles andere als dilettantisch.” Nun schreibt Zelter aber gar nicht über schriftstellerischen Dilletantismus (wobei erst einmal geklärt werden müsste, was den Dilettanten vom Professionisten des literarischen Schreibens unterscheidet), sondern darüber, dass zu einem gut verkäuflichen Buch heute mehr denn je ein vermarktbares Schriftstellerleben gehört. Zelter erfindet dafür einen der deutschen Sprache nicht mächtigen (man könnte auch sagen: sprachlich stümpernden), auf dem literarischen Markt erfolgreichen Kamelreitlehrer – eine originelle literarische Behandlung der Auferstehung des Autors und der Büchervermarktung.

Das zweite Buch, auf das mich literaturkritik.de aufmerksam gemacht hat, stammt von Bernhard Viel und trägt den Titel “Egon Friedell. Der geniale Dilettant”. Über dieses Buch schreibt Georg Patzer ausführlich und zitiert dabei auch Friedell:

Nur der Dilettant, der mit Recht auch Liebhaber, Amateur genannt wird, hat eine wirklich menschliche Beziehung zu seinen Gegenständen, nur beim Dilettanten decken sich Mensch und Beruf; und darum strömt bei ihm der ganze Mensch in seine Tätigkeit und sättigt sie mit seinem ganzen Wesen, während umgekehrt allen Dingen, die berufsmäßig betrieben werden, etwas im üblen Sinne Dilettantisches anhaftet: irgendeine Einseitigkeit, Beschränktheit, Subjektivität, ein zu enger Gesichtswinkel.

Was Patzer nicht verrät: Dieses Zitat stammt aus Friedells “Kulturgeschichte der Neuzeit” und gilt “dem jüngsten kulturhistorischen Versuch, nämlich unserem eigenen”. Friedell konkretisiert:

Was aber im Speziellen die Kulturgeschichte betrifft, so ist es schlechterdings unmöglich, sie anders als dilettantisch zu behandeln. Denn man hat als Historiker offenbar nur die Wahl, entweder über ein Gebiet seriös, maßgebend und authentisch zu schreiben, zum Beispiel über die württembergischen Stadtfehden in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts oder über den Stammbaum der Margareta Maultasch oder, wie der Staatsstipendiat der Kulturgeschichte Doktor Jörgen Tesman, über die brabantische Hausindustrie im Mittelalter, oder mehrere, womöglich alle Gebiete vergleichend zusammenzufassen, aber auf eine sehr leichtfertige, ungenaue und dubiose Weise. Eine Universalgeschichte läßt sich nur zusammensetzen aus einer möglichst großen Anzahl von dilettantischen Untersuchungen, inkompetenten Urteilen, mangelhaften Informationen.

Was Friedell hier demonstriert ist, dass dem dilettierenden Kulturhistoriker auch eine literarische Figur etwas gelten muss (Jörgen Tesman ist eine Figur von Henrik Ibsen).

Dienstag, 2. Juli 2013 von Karin S. Wozonig
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Betrieblich gemachte Literatur

Neben meinen Beobachtungen zum Thema social reading und Leser(innen)beteiligung durch Laienkritik à la Amazon verfolge ich auch aufmerksam die Wandlungen des Literaturbetriebs durch die Innovationskraft der Marketingabteilungen von Verlagen und bin in diesem Zusammenhang höchst fasziniert von der Erfindung von Autorinnen und Autoren durch besagte Abteilungen.

Die Vermarktbarkeit von Schriftstellern ist heute ein wichtiger Faktor im Literaturbetrieb; und ist das fast immer schon gewesen. Das glückliche Zusammentreffen von werbungsaffinen Druckern, Verlegern und Rezensenten mit dem natürlichen Drang zur Selbstdarstellung des beworbenen Autors konnte schon im neunzehnten Jahrhundert Auflagen in mit Hilfe von ästhetischen Kriterien nicht messbare Höhen steigern. Große Verlage mit großen Marketingbudgets machen heute im Prinzip nichts anderes als ihre Vorläufer.

Aber: Große Verlage mit kluger Geschäftsleitung haben nicht nur große Werbebudgets, sondern auch effiziente Social-media-Expertinnen.* Wie es geht, macht Bloomsbury mit Samantha Shannon vor, das Wirtschaftsmagazin “Forbes” berichtet darüber.

Einen lesenswerten Beitrag zum Thema Literaturbetrieb hat Marc Reichwein für literaturkritik.at geschrieben.

* Kleine Verlage mit kluger Geschäftsleitung haben auch effiziente Social-media-Expertinnen.

Dienstag, 25. Juni 2013 von Karin S. Wozonig
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Gute Nachrichten für gute Schreiber – und für schlechte

“Usability-Guru” Jakob Nielsen lässt uns wissen, dass gut geschriebener Text die einzige Möglichkeit ist, UserInnen dazu zu bringen, Websites zu lesen. “Information architecture” und Layout der Seite seien auch wichtig, aber qualitativ hochwertiger Text sei das Wichtigste, womit man Userinnen und User dazu bringen kann, mehr als die durchschnittlichen 28 Prozent des Texts einer Website zu lesen.

Nun, das mag sein. Und ich bin natürlich auch dafür, dass Websites gut getextet werden. Aber: In jüngster Zeit habe ich mich verstärkt mit dem Phänomen des “social reading” befasst. Das bezeichnet den Umstand, dass die einsame Tätigkeit des Lesens (von Literatur) sehr, sehr vielen technikaffinen Menschen zu einsam ist. Sie wollen ihren Facebook-Friends erzählen, dass sie ein Buch lesen, wo und warum sie es lesen und vielleicht auch, ob es ihnen gefällt oder nicht. Kobo und Goodreads z.B. machen vor, wie alle Möglichkeiten der virtuellen Gemeinschaftsbildung mit der Tätigkeit des Freizeitlesens von fiktionaler Literatur verknüpft werden können.

Wie aber teilt sich die soziale Leserin, der soziale Leser mit? Schriftlich. In diesen Texten wird zum Beispiel ausgedrückt, dass die Tante K. der Leserin das Buch zum Geburtstag geschenkt hat und dass das Buch dann drei Wochen auf einem Stapel neben dem Bett gelegen ist, und endlich, an einem sehr regnerischen Tag, hat die soziale Leserin dann zu diesem Buch gegriffen, hat es zuerst blöd gefunden, aber es ist dann gleich spannend geworden, und deswegen wird sie, die soziale Leserin, sich jetzt den zweiten Band der Trilogie selber kaufen. Das ist ein fiktives, paraphrasiertes Beispiel für eine Mitteilung, wie man sie auf jeder beliebigen Plattform für soziales Lesen finden kann. Interessanter als der Inhalt ist bei dieser Gemeinschaftsbildung über Bücher aus meiner Sicht aber das Wie.

Mindestens die Hälfte der gemeinschaftsbildenden Texte über Bücher, die ich bei meiner Recherche gelesen habe, sind schlecht geschrieben, nämlich grammatikalisch wie orthographisch unoriginell falsch. Und auch ihr Aufbau folgt in keiner Weise dem, was Jakob Nielsen für guten Webtext empfiehlt. Das Wichtigste steht nicht an erster Stelle, der erste Satz ist nicht voller Information und lässt keinesfalls vermuten, dass im Fortgang der Lektüre irgend eine Aussage von Relevanz zum Buch oder zur Person der Schreiberin zu erwarten wäre.

Was ich damit sagen will: Jakob Nielsen mag damit Recht haben, dass guter Webtext für Seiten, die etwas verkaufen wollen, wichtig ist. Gleichzeitig beobachte ich aber eine sehr hoheToleranz gegenüber schlechten Texten in einer Gruppe, in der ich sie nicht vermutet hätte: bei Leserinnen und Lesern von (Unterhaltungs)Literatur.

Bei sozialem Lesen (und Laienkritik) geht es nicht um Bücher, sondern um Aufmerksamkeit für die Person, die möglicherweise ein Buch gelesen haben könnte. Die lässt sich auch mit schlechten Texten erreichen.

Montag, 27. Mai 2013 von Karin S. Wozonig
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Zum Zehnjährigen ein Dank

Wir danken AUTOMATTIC für die Erfindung von WordPress. Was es sonst noch dazu zu sagen gibt, schreibt Jürgen Vielmeier auf Netzwertig.com.

Und hier gehts zur Party ->

Die interessante Frage der Digitalisierung

Vor einiger Zeit habe ich einen Buchbeitrag zum Thema Literaturkritik im Medienwechsel verfasst. Ich habe hier in diesem Blog darüber berichtet, dass mich das Lesen einer konventionellen Buchbesprechung in einer so genannten Qualitätszeitung (gedruckt) von der Literatur wegtreiben könnte (hätte ich weniger Erfahrung mit solchen Besprechungen und mit Literatur), wohingegen mich Texte über Literatur, geschrieben von Menschen die auch Literatur schreiben, oft zur Literatur hinführen.

Über den Medienwechsel nachzudenken, bedeutet auch in Erwägung zu ziehen, dass Bücher aus Bytes weniger Buchqualität haben als Bücher aus Papier. Dagegen lässt sich einwenden, dass ohne google books oder ähnliche Digitalisierungsprojekte viele Bücher aus Papier verlorengehen würden. Oder dass manches Buch, das es nicht in die Presse schafft, elektronisch gelesen werden kann. Oder dass Literaturkonsum unter elektronischer Leserbeteiligung der Literatur einen größeren Stellenwert im täglichen Leben der Menschen einräumt; zumindest einer bestimmten Form von Literatur. In ein paar Jahren werden wir uns den Bauch halten vor Lachen über die Verwirrung, die „das Internet“ einst gestiftet hat.

Erschienen ist mein Beitrag über die Literaturkritik im Buch „Literatur und Digitalisierung“, herausgegeben von Christine Grond-Rigler und Wolfgang Straub. In ihrer Einleitung beobachten die beiden Herausgeber m.E. ganz richtig:

Die eigentlich interessante Frage ist nicht, ob es in Zukunft noch Bücher geben wird, sondern ob es weiterhin Literatur geben wird, die durch die besondere Kombination der drei Parameter Welthaltigkeit, individualisierte Autoren-Perspektive und Schriftlichkeit unser kulturelles Gedächtnis bereichern und prägen wird.

Dienstag, 3. Juli 2012 von Karin S. Wozonig
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Schnell reagiert

Eine Ergänzung zu meinem vorherigen Blogeintrag: Der Texter und Autor eines Schreibratgebers Aurel Gergey hat schnell reagiert und den Titel seiner Publikation gekürzt. Besser schreiben lernen. Guter Ausdruck macht Eindruck gibt es als Gratisdownload.

Samstag, 30. Juni 2012 von Karin S. Wozonig
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Kompakter Schreibkurs

Per E-Mail erreicht mich der Hinweis des Texters Aurel Gergey auf seinen Schreibratgeber mit dem umständlichen Titel “Besser schreiben lernen. Mit gutem Ausdruck Eindruck machen: ein kleiner Schreibkurs”, den es als Download gibt. Ich möchte den Ratgeber als Anleitung für das Schreiben leicht fasslicher Gebrauchstexte empfehlen. Einige Seiten beschäftigen sich auch mit dem Schreiben für das Internet und Gergey fasst darin zusammen, was bei nutzerorientierten Websites zu beachten ist. Keine neuen Erkenntnisse aber als “Faustregel-Sammlung”, wie der Autor sich ausdrückt, gut geeignet.

Montag, 4. Juni 2012 von Karin S. Wozonig
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Die gute Website und ihr Newsletter

Von der Brauchbarkeit (usability) zum (positiven) Erlebnis (experience) hat sich der Anspruch der User an eine gute Website in den letzten zehn Jahren gewandelt. Das beobachtet Benutzerfreund Jens Jacobsen, in diesem Blog mehrfach zitiert als einer der sich auskennt. Seit zehn Jahren verschickt er seinen lesenswerten Newsletter, herzliche Gratulation!