Montag, 31. Mai 2021 von Karin S. Wozonig
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Liebesnovelle mit Pianofortebegleitung

Zur kürzlich erwähnten Vertonung des Gedichts Kurz war die Zeit der Wonne von Betty Paoli sei ergänzt, dass die Aufnahme, die im Radiokolleg zu hören war, 1995 entstand. Es singt Yvi Jänicke, am Klavier begleitet von Nicole Winter. Auf der CD sind außer diesem einen noch fünf weitere Paoli-Gedichte zu hören. Denn der Komponist Robert Volkmann erzählte anno 1864 die ganze Geschichte. Er schreibt in einem Brief:

In meinem oben erwähnten Liederhefte nun, welches ich Liederkreis (Op. 46) betitelte … stellte ich aus den Gedichten von Betty Paoli sechs Lieder zusammen, die eine kleine Liebesnovelle bilden und dazu bestimmt sind, hintereinander vorgetragen zu werden…

Samstag, 29. Mai 2021 von Karin S. Wozonig
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Wonne

Diese Woche bescherte uns das Ö1-Radiokolleg einen Paoli-Auftritt. Die Sendung von Uli Jürgens war dem „Liebeslied im Wandel der Zeit“ gewidmet. Alle drei Teile waren erhellend, Paoli und ihr literarisches Alleinstellungsmerkmal – ein leidenschaftlich liebendes weibliches Ich, gestaltet von einer Frau zu einer Zeit, in der die Liebeslyrik weitgehend ohne Frauen auskam – in einer Vertonung von Robert Volkmann war im dritten Teil zu hören (Radiokolleg – Wonnemonat Mai, 27.05.)

Dienstag, 6. April 2021 von Karin S. Wozonig
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Falscher Frühling gereimt

Ich habe in diesem Blog gelegentlich etwas über Biedermeieralmanache geschrieben, diese interessanten Verlagsprodukte, bebildert, mit Musikbeilagen versehen, im dekorativen Samteinband oder – wohlfeil – mit geprägter Vignette, die sich unter den Auspizien der vormärzlichen Zensur und rigider Moralvorstellungen an oberflächlich gebildete, tugendhafte Mädchen und Frauen von bürgerlichem Stand wandten.

Ja, es lässt sich in solchen literarischen Taschenbüchern so mancher Fund machen, es gibt darin manchmal Texte, die nicht ins Klischee passen. Häufiger aber ist das Reimgeklingel.

Bei aller meteorologischen und botanischen Korrektheit: Vom prosodischen Standpunkt aus betrachtet ist die Kombination von Almanach und Frühling echt die Härte. Beispiel gefällig? Franz Fitzinger, 1842:

Falscher Frühling

Schneebedeckt noch war die Flur,
Blätterlos die Bäume,
Noch im Schooße der Natur
Schlummerten die Keime.

Doch im eisig kalten März
Weht es warm ein Weilchen;
Sieh, da hebt sich himmelwärts
Aus der Erd‘ ein Veilchen.

Und beklommen sieht es da
Weite Schneegefilde;
Doch, es weh’n die Lüfte ja
Schmeichelnd, sanft und milde!

Mit dem Hauche neigt‘ es sich
Kosend auf und nieder,
Bis – gar bald – die Wärme wich;
Winter ward es wieder!

Jenes Weiß, kein Blütenschnee,
Lenzhauch ohne Dauer;
Ach! dem Veilchen wird so weh,
Senkt das Haupt in Trauer.

Und so welkt‘ es schnell dahin,
Sterbend, kaum geboren;
„Warmer Hauch mit kaltem Sinn,
Bin durch dich verloren!“

„Unbeständige Natur,
Schnellverglühte Triebe!
Ach, es hat der Frühling nur
Warmen Hauch der Liebe!“

Montag, 17. August 2020 von Karin S. Wozonig
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Kalender der Religionen

In einer Pressemeldung lese ich:

In aspern Seestadt entsteht mit dem Campus der Religionen ein visionäres Projekt.

Dazu fällt mir ein:

aus: Austria oder Oesterreichischer Universal-Kalender für das gemeine Jahr 1841. Zweiter Jahrgang. Wien, im Verlag von Ignaz Klang

Mittwoch, 21. August 2019 von Karin S. Wozonig
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Deutscher Buchpreis 2019: Longlist

Die 20 Kandidatinnen und Kandidaten für den Deutschen Buchpreis 2019 stehen fest.

Es ist eine anerkannte Thatsache, gegen welche sich freilich die Eitelkeit der norddeutschen Poeten noch sträubt, daß der Süden Deutschlands, was poetische Productionen betrifft, den Norden bereits längst überflügelt hat. Oesterreich und das gesegnete Schwaben, das sind die beiden Länder, aus welchen in neuester Zeit die bedeutendsten und tiefsten Poeten hervorgegangen sind.

Quelle: „W. M.“: Rezension zu Hermann Rollett: Frühlingsboten aus Oesterreich. Gedichte. In: Der Komet, Dezember 1845

Samstag, 26. Januar 2019 von Karin S. Wozonig
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Solider Walzer

Strauß hatte vorige Woche seine Benefize beim Sperl, welches er mit dem äußerst arroganten Titel: Wien, wie es ist ausstaffirte. Ist denn dieser wunderlich ernste junge Mann, wie ihn unsere Tagblätter nennen, der Universal-Typus für jede Art unserer Vergnügungen? … Da ist Lanner viel solider!

Das musste jetzt, am Ende des Neujahrskonzertreigens und anlässlich der Ballsaison, wirklich einmal gesagt werden. (Quelle: Anonyme Notiz in: Der Spiegel für Kunst, Eleganz und Mode, 10. September 1831)

Dienstag, 23. Januar 2018 von Karin S. Wozonig
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Was wäre Stifter ohne Paoli?

Über Adalbert Stifter könnten wir eigentlich auch wieder einmal reden. Vor allem jetzt, wo sich bald sein Todestag zum hundertfünfzigsten Mal jährt. Aber was wäre Stifter ohne Paoli? Daher: Grüße aus der Ferne. Betty Paolis „Deutsche Briefe“ 1848.

Dienstag, 25. Juli 2017 von Karin S. Wozonig
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Endlich wieder Biedermeier

Ich möchte eine Neuerscheinung anzeigen: WAS Nr. 110

WAS – eine Zeitschrift in Buchform. Zum Vor-, Mit- und Nachdenken. Mit Themen diesseits realer Utopie, jenseits unwirklichen Zeitgeists. Interpretiert aus unterschiedlichen Perspektiven von Literaten, Wissenschaftern, Unternehmern, Realisten und Visionären – Männern wie Frauen.

sagt die Verlagsseite. Und in der neuesten Nummer mit dem Titel „wieder bieder“ fragen sich Autorinnen und Autoren mit dem Herausgeber Michael Steiner:

Leben wir in einem neuen Zeitalter des Biedermeier?

Wieso neues Zeitalter? Frage ich zurück. Wir sind nie wirklich herausgekommen aus dem Biedermeier. Aber der Befund im Editorial ist sicher richtig:

Das Biedermeier ist zu einer Metapher des Unpolitischen geworden – mit Neuauflage in der Gegenwart: Rückzug ins Private, Wunsch nach Autoritäten, denen die Verantwortung für Gestaltung abgegeben wird, bei gleichzeitiger Kritik an allem Bestehenden.

Der historisch begründete Einspruch, die Zweifel und der Aufruf zum Denken folgen auf den Fuß:

Ja – aber: War das Biedermeier wirklich so biederlich? Wie bieder ist das Private – wie viel davon brauchen und wollen wir? Wie bieder ist derzeit das Öffentliche, „die Politik“? Ist die Trennung von privatem und öffentlichem Raum noch zulässig?

„wieder bieder“ ist ein Plädoyer für ein neues Aufklärungsdenken, das Verantwortung für das Private und Öffentliche gleichermaßen ernst nimmt.

Ich bin ja immer dafür, dass man das Biedermeier von allen Seiten beleuchtet, von der parodistischen bis zur bärtigen. Als man mir die Gelegenheit gegeben hat, etwas zu „wieder bieder“ beizutragen – danke! -, habe ich mich für das Thema gesellige Zusammenkünfte entschieden. Ja, Betty Paoli kommt darin auch vor.

Donnerstag, 12. Januar 2017 von Karin S. Wozonig
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Bärtiger, modebewusster Biedermeier

Eine Ergänzung zum vorherigen Blogeintrag über den Hipster Graf Edmund Zichy:

[Zichy] war kurz zuvor von einer Orientreise zurückgekehrt und wollte von sich ein Porträt besitzen, das ihn in den Kleidern, die er mitgebracht hatte, zeigte. Er fand in Borsos einen kongenialen Bildnismaler, zugleich sollte dieses als Erinnerungsstück geplante Gemälde den Ruf des jungen ungarischen Malers als Porträtist begründen.

Zitat aus dem sehens- und lesenswerten Katalog zur Ausstellung: Ist das Biedermeier? Amerling, Waldmüller und mehr. Herausgegeben von Agnes Husslein-Arco und Sabine Grabner, Wien 2016

 

Bärtiger Biedermeier

Im Unteren Belvedere in Wien läuft noch bis zum 12. Februar die sehenswerte Ausstellung „Ist das Biedermeier?“ Berechtigterweise geht die Kuratorin Sabine Grabner davon aus, dass es eine sehr konkrete Vorstellung davon gibt, was das Biedermeier sei. Der parodistische Aspekt fehlt heute dabei, die Konzentration liegt wohl auf der wenn auch kitschigen, so doch ernstgemeinten Idylle und auf dem Rückzug in die eigenen vier Wände.

Wenn man wie diese Ausstellung das Biedermeier ungefähr fünfzehn Jahre zu spät beginnen und erst 1860 enden lässt (die politischen Ereignisse, die üblicherweise die Epochengrenzen darstellen, sind der Wiener Kongress am Anfang und die sogenannte Bürgerliche Revolution von 1848 am Ende), dann hat man das Klischee zwar schon von vornherein ausgehebelt und die Frage im Titel lässt sich ohne viel Nachdenken für ziemlich viele Bilder mit Nein beantworten. Aber im Untertitel der Ausstellung „Amerling, Waldmüller und mehr“ steckt das Wichtige: Zwar sehen wir unter anderem die „Lautenspielerin“ von Friedrich von Amerling und das Selbstporträt von Georg Ferdinand Waldmüller, also klassisches Biedermeier, vor allem aber wird der geographische Rahmen erweitert und es gibt nicht nur die üblichen in Wien oder Linz (ein Bild von Adalbert Stifter ist auch zu sehen) ansässigen Österreicher, sondern auch die unüblichen, nämlich Maler aus habsburgischen Kronländern, aus dem heutigen Slowenien, Italien und Tschechien bzw. aus Ungarn.

József Borsos z.B. wurde 1821 in Veszprém geboren und starb 1883 in Budapest. Er ist mit dem Bild „Der Emir vom Libanon“ in der Ausstellung vertreten, das auch als Plakatsujet dient.

Und bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass dieser Emir vor Kurzem einen Auftritt hier im Blog hatte, nämlich als früher Hipster. Denn es handelt sich bei dem bunten Orientalen um den besonders hübsch frisierten Grafen Zichy, dessen Barttracht zu seiner Zeit so berühmt war, dass sich Betty Paoli in einem Brief an Marie von Ebner-Eschenbach darauf beziehen konnte.

Wer es noch nicht geahnt hat, kann es in dieser Ausstellung lernen: Das Biedermeier ist immer mehr als das „Biedermeier“.