Freitag, 23. März 2012 von Karin S. Wozonig
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Quod erat demonstrandum: Frühlingsbimbam

Im Frühlinge

Horch! der Posaune Zauber gellt
Im Sieg’sruf durch die öde Welt, -
Von West zu Ost, von Süd zu Nord,
Glüht neu der Auferstehung Wort.

Wenn sich das neue Leben regt,
Hat sich das alte zur Ruh’ gelegt,
Aus dem gelben Moder der Winterlag
Stößt die Primel und Hyazinth’ zu Tag!

Weht der Frühlingsost über’s Jahr heran,
Hab’ ich auch den letzten Schritt gethan, -
Du Mutter Natur! Aus meinem Staub’
Weck’ üppiger Eichen und Myrten Laub!

von Lothar (Prag) in: Oesterreichischer Musenalmanach 1837

Freitag, 2. März 2012 von Karin S. Wozonig
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Nationale Gedichte

Neben der Erkundung meines neuen Wohnorts beschäftige ich mich zur Zeit mit dem Thema Nationalismus. Ich habe im Alltag oft Gelegenheit, über die Bedeutung von Patriotismus und die Aktualität von nationalen Symbolen nachzudenken, interessiere mich aber – wie meistens – mehr für die Geschichte als für die Gegenwart.

Wie bei vielen anderen Dingen (z.B. Arbeitsteilung, Geschlechterrollen, Individualismus), die für uns heute eine Selbstverständlichkeit erreicht haben, die sie argumentativ an Natürlichkeit grenzen lassen, ist es auch beim Thema Nationalismus ratsam, ins neunzehnte Jahrhundert zurückzublicken, um die basalen Mechanismen zu verstehen.

Für die jährliche Konferenz der Austrian Studies Association (früher MALCA), die unter dem Motto AEIOU: GLOBAL AUSTRIA steht, bereite ich einen Vortrag über einen Text von Hieronymus Lorm vor. In „Wien’s poetische Schwingen und Federn“ (1847) wird das österreichische „Nationalgemüt“ auf sehr interessante Weise mit ästhetischen Kriterien verquickt und auf eine Art lebendig gemacht, die über die Frage hinausreicht, was ein deutsches Gedicht von einem Dichter mährischer, ungarischer oder ruthenischer Herkunft über die Begründung einer Kulturnation im Vorfeld der sogenannten bürgerlichen Revolution aussagt. Ich freue mich schon darauf, über diesen Text im Rahmen der Konferenz zu diskutieren.

Samstag, 10. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Freitag, 9. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Der Eisstoß in Prag 1845, Teil 4

Mundartgedichte und ‚Geschichten aus dem Volke’ stehen in dem Wohltätigkeitsalbum neben schwermütiger Liebeslyrik, romantische Naturschilderungen neben Scherzgedichten. Einige der Texte sind als Ausschnitte aus bereits veröffentlichten Werken markiert, unter den Prosatexten befinden sich historische Abhandlungen,  Reiseschilderungen und Auszüge aus literarischen Tagebüchern. Das Album zum Besten der durch die Ueberschwemmungen im Frühjahr 1845 in Böhmen Verunglückten gibt einen sehr aufschlussreichen Einblick in das literarische Leben und das intellektuelle Netzwerk der Zeit.
Quelle: Karin S. Wozonig: Netzwerke der Wohltat und der Literatur. Das Album zum Besten der durch die Ueberschwemmungen im Frühjahr 1845 in Böhmen Verunglückten. In: Hanna Bergerová, Renata Cornejo, Ekkehard Haring (Hg.): Festschrift zum 15. Gründungsjubiläum des Lehrstuhls Germanistik. Ústí nad Labem 2005. S. 248-254

Sonntag, 4. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Der Eisstoß in Prag 1845, Teil 3

Unter den Beiträgern des Wohltätigkeitsalbums finden sich prominente Vertreter der Biedermeierliteratur wie Ladislaus Pyrker, Anastasius Grün, Friedrich Halm, Eduard von Bauernfeld. Auch Texte von Caroline Pichler und Franz Grillparzer sind in dem Album vertreten.

Von Grillparzer finden wir die Gedichte Alma von Göthe und Wanderscene, von der 1843 verstorbenen Caroline Pichler steuert Ludwig August Frankl Briefe aus dem Nachlass bei. Frankl, der mit vielen der Literaten durch seine regelmäßigen Besuche im Salon der Henriette Wertheimer bekannt war, erklärt in einer Einleitung, dass die Veröffentlichung der Korrespondenzstücke zu wohltätigem Zweck ganz im Sinne Pichlers gewesen wäre.

Außerdem stellt Frankl (neben eigenen Texten) ein Gedicht von Joseph Emanuel Hilscher zur Verfügung und erläutert, dass der von den Überschwemmungen besonders betroffene Ort Leitmeritz Hilschers Geburtsort sei.

Viele der im Album vertretenen Autoren sind Almanach-erprobte Vielschreiber, so z. B. Ignaz F. Castelli, Heinrich von Levitschnigg und Johann Nepomuk Vogel, viele Beiträger sind einander in den Salons der Ottilie von Goethe bzw. der Henriette Wertheimer begegnet. [...] Von Betty Paoli finden sich vier Gedichte in dem Album, formal in der ihr eigenen Strenge und mit Themen, die für ihre Lyrik typisch sind: Schmerz, Seelenleid, innerer Kampf und Todesahnung. [Fortsetzung folgt.]

Quelle: Karin S. Wozonig: Netzwerke der Wohltat und der Literatur. Das Album zum Besten der durch die Ueberschwemmungen im Frühjahr 1845 in Böhmen Verunglückten. In: Hanna Bergerová, Renata Cornejo, Ekkehard Haring (Hg.): Festschrift zum 15. Gründungsjubiläum des Lehrstuhls Germanistik. Ústí nad Labem 2005. S. 248-254

Dienstag, 30. März 2010 von Karin S. Wozonig
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Der Eisstoß in Prag 1845, Teil 2

Der anonyme Privatkorrespondent der Prager Zeitung schreibt am 5. April: „Es werden viele Spenden und Gaben erfordert werden, um dieses große Unglück nur einger Maßen zu mildern.“ Und tatsächlich läuft – wie schon bei ähnlichen Ereignissen in früherer Zeit – eine Spenden-Maschinerie an, in der die Wohltätigkeit der Mächtigen und des politisch weitgehend machtlosen Bürgertums der Zeit konkurrieren.

Am 6. April genehmigt der Kaiser 40.000 Gulden Konventionsmünze als Sofortmaßnahme für die Überschwemmungsopfer. Die gleiche Summe bringen „unaufgefordert“, wie die Wiener Zeitung bemerkt, die Familien Rothschild, Sina, Arnstein und Eskeles und Hermann Todesco auf. [...]

Im September 1845 erscheint das Album. Zum Besten der durch die Ueberschwemmungen im Frühjahr 1845 in Böhmen Verunglückten bei Strauss Wwe. u. Sommer in einer Auflagenhöhe von 2.000 Stück.  Es handelt sich dabei um einen Teil einer größer angelegten Spendenaktion auf Initiative von Anton Adolf Schmidl, Redakteur der Österreichischen Blätter für Literatur und Kunst. Schmidl war Geograph und als Schriftsteller bekannt unter dem Pseudonym Salmoser.

Durch den Verkauf eines musikalischen Albums und durch eine Kunstlotterie hatte Schmidl 3.685 Gulden und 42 Kreuzer an Spenden eingenommen (zum Vergleich: Staatskanzler Metternich spendete im April 1.000 Gulden). Gemeinsam mit Gustav Ritter von Franck, Redakteur der Wiener Zeitschrift für Kunst und Literatur und dem Schriftsteller Johann Gabriel Seidl wählte Schmidl aus 525 für diesen Zweck zur Verfügung gestellten Texten 128 für das Wohltätigkeitsalbum aus. [Fortsetzung folgt.]

Quelle: Karin S. Wozonig: Netzwerke der Wohltat und der Literatur. Das Album zum Besten der durch die Ueberschwemmungen im Frühjahr 1845 in Böhmen Verunglückten. In: Hanna Bergerová, Renata Cornejo, Ekkehard Haring (Hg.): Festschrift zum 15. Gründungsjubiläum des Lehrstuhls Germanistik. Ústí nad Labem 2005. S. 248-254

Samstag, 27. März 2010 von Karin S. Wozonig
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Der Eisstoß in Prag 1845, Teil 1

Im neunzehnten Jahrhundert waren die Bewohner der Städte an den großen Flüssen der k. u. k-Monarchie einer regelmäßig im Frühling wiederkehrenden Gefahr ausgesetzt: dem so genannten Eisstoß. Eisplatten die sich auf den Flüssen in einander verkeilten, stauten große Wassermengen zurück, die die flussaufwärts gelegenen Stadtteile überschwemmten. In der Kaiserstadt Wien war der Eisstoß der Donau ein jedes Jahr wieder mit Angst erwartetes Ereignis, aber auch in anderen Städten der Monarchie kam es immer wieder zu Überflutungen. Am 3. April 1845 berichtet die Wiener Zeitung:

Böhmen. Prag, 28. März. Am 27sten um 6 Uhr Früh hat sich endlich die ungewöhnlich starke Eisdecke, welche seit vollen sechzehn Wochen die Moldau bedeckte, gehoben und in Bewegung gesetzt. Das lange und bange erwartete Schauspiel lockte unzählige Zuschauer herbey. Beyde Brücken und der Franzensquai waren mit Schaulustigen übersäet, besonders zwischen der zehnten und eilften  Stunde, um welche Zeit das Eis oberhalb des Podkals sich in Bewegung gesetzt hatte. Die ganze Moldaufläche, so weit man sie von der Brücke aus stromauf- und stromabwärts übersehen konnte, bildete eine schwimmende Masse dichtaneinander gedrängter Eisschollen. [...] Das Ausbleiben der Prager Zeitungen läßt besorgen, daß der Eisstoß unterhalb Prags ins Stocken gerathen, und dadurch ein Aufstauchen der Moldau herbeygeführt worden ist.

In den folgenden Tagen wird klar, dass die Befürchtungen der Redaktion der Oesterreichisch Kaiserliche privilegirte Wiener Zeitung berechtigt waren. Mit einer Verspätung von einer Woche berichtet die Wiener Zeitung von der größten Flutkatastrophe seit 1784. [Fortsetzung folgt]

Quelle: Karin S. Wozonig: Netzwerke der Wohltat und der Literatur. Das Album zum Besten der durch die Ueberschwemmungen im Frühjahr 1845 in Böhmen Verunglückten. In: Hanna Bergerová, Renata Cornejo, Ekkehard Haring (Hg.): Festschrift zum 15. Gründungsjubiläum des Lehrstuhls Germanistik. Ústí nad Labem 2005. S. 248-254