Sonntag, 13. April 2014 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: ,
Veröffentlicht in 19. Jahrhundert, Literatur, Welt | Keine Kommentare

Betty Paoli im Porträt

Aus dem Tagebuch von Marie von Ebner-Eschenbach, April 1886: “Mit Ida in das Atelier Frln Müllers um Betty Porträt zu sehen. Stirn Augen und Nase vortrefflich. Die geistige Ähnlichkeit gut getroffen.”

Samstag, 12. April 2014 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: ,
Veröffentlicht in Literatur, Literatur im Netz, Welt | Keine Kommentare

Leichte Kost

Manchmal lese ich Krimis, z.B. Klassiker wie Agatha Christie, auch Martha Grimes (interessante Figuren) oder so etwas wie Robert Galbraiths “Cuckoo’s Calling” (etwas zu lang aber gut gemacht, und ich bin gespannt, wie es mit Cormoran Strike weitergehen wird – für Juni ist die Fortsetzung angekündigt). Zuletzt habe ich mehrere Bücher von Nevada Barr gelesen, deren erfolgreichste Figur, Anna Pigeon, ein park ranger ist: Wenn die Handlung zu dünn oder zu abstrus wird, kann man sich immer noch über die Landschaftsbeschreibungen freuen.

Wegen des Lokalkolorits habe ich gerade “Mordswald” von M. C. Poets gelesen, ein Buch, dessen öffentliche Existenz sich dem Selfpublishing-Programm von Amazon verdankt. Der (wenn auch nicht ganz überzeugend motivierte) Showdown des Buchs zeigt, dass M. C. Poets bei der Dan-Brown-Lektüre gut aufgepasst hat, und die weibliche Hauptfigur mit ihrem (innerfiktional realen) “Familienroman” im Freudschen Sinn und dem Kickboxtraining hat auch bekannte unterhaltungsliterarische Vorbilder. Denen wird sie mit ein bisschen mehr psychologischer Profilierung wohl auch bald gerecht werden.

Unterhaltungsliteratur von Unterhaltungsliteratur lesenden Menschen, im Selbstverlag publiziert und über eine Plattform als E-Book zu beziehen – so wirds in Zukunft gehen.

Montag, 10. März 2014 von Karin S. Wozonig
Schlagworte:
Veröffentlicht in Literatur, Literaturwissenschaft, Schreiben für das Internet, Welt | Keine Kommentare

Wissen und Nichtwissen

Manchmal beschäftige ich mich mit Gegenwartsliteratur. Zum Beispiel im Rahmen eines Workshops, in dem es um den Buchmarkt gehen wird, um Neuerscheinungen, um Informationsquellen, die es ermöglichen, Spreu vom Weizen zu trennen, um Literaturkritik (ein Thema, das ich besonders interessant finde) etc.

In ein paar Wochen werde ich mich mit dem in diesem Blog schon öfter erwähnten Roman “Der einzige Ort” von Thomas Stangl bei einer Konferenz beschäftigen, die selbstbewusst den Titel “Literatur und Wissen” trägt. Hier gibt es das Programm als PDF.

Sonntag, 23. Februar 2014 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: ,
Veröffentlicht in Welt | Keine Kommentare

Salon im Andenken

Das erste “neue” Kaffeehausgespräch in Hamburg habe ich dem Andenken an Erika Werner gewidmet. Unterstützt vom Salonherrn Detlef habe ich ein Treffen unter dem Motto “Literaturvermittllung” organisiert. Und weil der Kaffeehausgespräche-Blog jetzt von unerwünschter Werbung gesäubert und wieder online ist, lässt sich hier nachlesen, wie diese erste Begegnung im Salon nach zwei Jahren Pause verlaufen ist. Es wird weitergehen. Ich erwäge ein Gespräch, das sich mit Vorstufen von literarischen Werken befasst.

Montag, 27. Januar 2014 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: , , ,
Veröffentlicht in Literatur, Welt | Keine Kommentare

Wiederaufnahme

Pünktlich zu meiner Rückkehr an den Ort der ersten Kaffeehausgespräche ist der Blog meines Salons “gehackt” worden und deshalb habe ich diesen virtuelle Versammlungsraum vorübergehend zusperren lassen. Das macht aber nichts, geht es bei der Veranstaltung doch vor allem um Gespräche über Bücher und alles was dazu gehört, auch um Kaffee, Kuchen und Wein, und um den persönlichen Austausch. Aus Davis, CA, höre ich, dass das nächste Kaffeehausgespräch in der wirklichen Welt bereits am kommenden Freitag stattfinden soll. Die Wiederaufnahme der Kaffeehausgespräche in Hamburg wird es am 20. Februar geben.

Die Kaffeehausgespräche waren eine Idee der großen Leserin Erika Werner, gestorben am 28. Jänner 2013. Sie hat mit ihrem Verein S.T.I.L. e.V. ihre Vorliebe für interessante Sprachkunst mit anderen geteilt. Didaktische Absichten hatte sie dabei keine. Am 20. Februar soll im Salon, abgehalten im Kulturcafé Chavis, im Andenken an Erika Werner das Thema “Literaturvermittlung” im Vordergrund stehen. Dem Neustart des Salons sehe ich mit Spannung entgegen. Sollten Sie an einer Einladung interessiert sein, lassen Sie sich per eMail in den Newsletter der Veranstaltung eintragen. So viel virtuelle Welt muss sein.

Montag, 30. Dezember 2013 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: , , ,
Veröffentlicht in 19. Jahrhundert, Literatur, Literaturwissenschaft | Keine Kommentare

Immer diese Literaturgeschichte

Wir feiern am 30. Dezember Betty Paoli’s Geburtstag – eigentlich den 71t; offiziell (Dank der Ungenauigkeit der Literaturgeschichte) den 70t.

Marie von Ebner-Eschenbach an Paul Heyse am 4. 12. 1885

Dienstag, 17. Dezember 2013 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: , ,
Veröffentlicht in Welt | Keine Kommentare

Salon-Ausgründung

Fast zwei Jahre lang hat es in Davis, CA, einen Salon unter dem Titel “Kaffeehausgespräche” gegeben, fast zwei Jahre lang habe ich dort mit Vergnügen interessante Leute und neue Bücher kennengelernt. Jetzt wäre dieses Projekt beinahe zu einem Ende gekommen. Aber nein: Es wird weitergeführt, ein Kaffeehausgespräche-Franchise sozusagen. Ich freue mich, dass sich Menschen gefunden haben, die die Tradition des regelmäßigen Treffens in der “Konditorei” aufrecht erhalten werden und bin gespannt, welche Themen sie finden werden.

Donnerstag, 14. November 2013 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: , , , ,
Veröffentlicht in 19. Jahrhundert, Literatur, Literatur im Netz, Schreiben für das Internet | Keine Kommentare

Dilettantismus auf literaturkritik.de

Das Rezensionsforum literaturkritik.de, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ich viele Einsichten in das Thema Literaturkritik und Internet verdanke, bringt mir zwei Bücher zur Kenntnis, woraus sich etwas über Dilettantismus [Duden: Di|let|tan|tis|mus, der; - (laienhafte Beschäftigung mit etwas, Liebhaberei; Stümperhaftigkeit)] lernen ließe. Und zwar durchaus Unterschiedliches. Der Dilettantismus ist gerade im Zusammenhang mit der im Internet verbreiteten Literaturkritik besonders interessant (so finde ich, wie Sie hier lesen können), aber auch im Zusammenhang mit dem Schreiben von Literatur oder Geschichte.

Dietmar Jacobsen schreibt auf literaturkritik.de über ein Buch von Joachim Zelter mit dem Titel “Einen Blick werfen. Literaturnovelle” und konstatiert: “Über schriftstellerischen Dilettantismus als Zeitphänomen schreibt Joachim Zelter alles andere als dilettantisch.” Nun schreibt Zelter aber gar nicht über schriftstellerischen Dilletantismus (wobei erst einmal geklärt werden müsste, was den Dilettanten vom Professionisten des literarischen Schreibens unterscheidet), sondern darüber, dass zu einem gut verkäuflichen Buch heute mehr denn je ein vermarktbares Schriftstellerleben gehört. Zelter erfindet dafür einen der deutschen Sprache nicht mächtigen (man könnte auch sagen: sprachlich stümpernden), auf dem literarischen Markt erfolgreichen Kamelreitlehrer – eine originelle literarische Behandlung der Auferstehung des Autors und der Büchervermarktung.

Das zweite Buch, auf das mich literaturkritik.de aufmerksam gemacht hat, stammt von Bernhard Viel und trägt den Titel “Egon Friedell. Der geniale Dilettant”. Über dieses Buch schreibt Georg Patzer ausführlich und zitiert dabei auch Friedell:

Nur der Dilettant, der mit Recht auch Liebhaber, Amateur genannt wird, hat eine wirklich menschliche Beziehung zu seinen Gegenständen, nur beim Dilettanten decken sich Mensch und Beruf; und darum strömt bei ihm der ganze Mensch in seine Tätigkeit und sättigt sie mit seinem ganzen Wesen, während umgekehrt allen Dingen, die berufsmäßig betrieben werden, etwas im üblen Sinne Dilettantisches anhaftet: irgendeine Einseitigkeit, Beschränktheit, Subjektivität, ein zu enger Gesichtswinkel.

Was Patzer nicht verrät: Dieses Zitat stammt aus Friedells “Kulturgeschichte der Neuzeit” und gilt “dem jüngsten kulturhistorischen Versuch, nämlich unserem eigenen”. Friedell konkretisiert:

Was aber im Speziellen die Kulturgeschichte betrifft, so ist es schlechterdings unmöglich, sie anders als dilettantisch zu behandeln. Denn man hat als Historiker offenbar nur die Wahl, entweder über ein Gebiet seriös, maßgebend und authentisch zu schreiben, zum Beispiel über die württembergischen Stadtfehden in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts oder über den Stammbaum der Margareta Maultasch oder, wie der Staatsstipendiat der Kulturgeschichte Doktor Jörgen Tesman, über die brabantische Hausindustrie im Mittelalter, oder mehrere, womöglich alle Gebiete vergleichend zusammenzufassen, aber auf eine sehr leichtfertige, ungenaue und dubiose Weise. Eine Universalgeschichte läßt sich nur zusammensetzen aus einer möglichst großen Anzahl von dilettantischen Untersuchungen, inkompetenten Urteilen, mangelhaften Informationen.

Was Friedell hier demonstriert ist, dass dem dilettierenden Kulturhistoriker auch eine literarische Figur etwas gelten muss (Jörgen Tesman ist eine Figur von Henrik Ibsen).

Sonntag, 27. Oktober 2013 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: , ,
Veröffentlicht in 19. Jahrhundert, Literatur | Keine Kommentare

Gute Nacht: Paolis Komponisten

Vor einiger Zeit habe ich in diesem Blog über ein Gedicht von Betty Paoli geschrieben, das sehr populär war und unter dem Titel „Gute Nacht“ mehrfach vertont wurde. Damals habe ich immerhin fünf Vertonungen gezählt, mittlerweile bin ich klüger. Das Gedicht war so weit verbreitet, dass es häufig ohne Verfasserangabe gedruckt wurde, außerdem taucht es unter verschiedenen Titeln auf (”Gute Nacht”, “Zum Tagesschluss”, “Im tiefsten Innern”), was daran liegt, dass es 1843 in einem Liederkranz ohne Titel (als Nummer 37) publiziert wurde. Bisher habe ich 26 Komponisten und 3 Komponistinnen gefunden, die dieses Gedicht vertont haben.

Dienstag, 22. Oktober 2013 von Karin S. Wozonig
Schlagworte: , ,
Veröffentlicht in Literatur, Welt | Keine Kommentare

Politisches=privat. Thomas Stangls neuer Roman

Sollten Sie im Jahr 2000 in Österreich gewesen sein, gar an den Donnerstagsdemos teilgenommen haben, und sollten Sie das Bedürfnis haben, sich durch ein literarisches Werk in die überaus beklemmende Atmosphäre zurückversetzen zu lassen, dann lesen Sie Thomas Stangls neuen Roman, er ist politisch. Er ist aber auch außerordentlich privat. Die persönlichen Entscheidungen der drei Hauptfiguren sind mit psychologischer Überzeugungskraft begründet und geschickt mit dem politischen Rahmen verknüpft. Keine leichte Lektüre, aber eine lohnende.

Eine enthusiasmierte Kritik von Christopher Heil (ich stimme nicht in allen Punkten mit ihm überein, aber der Rezensent gibt einen guten Eindruck von der hohen literarischen Qualität des Buchs) können Sie hier lesen.