Und noch einmal kluge Frauen im Salon

Die literarische Veranstaltung im Kulturcafé Chavis (Kaffeehausgespräche) vorzubereiten, gehört zu meinen liebsten Hobbys. Nachdem das Gespräch im vorigen Monat recht allgemein wurde – es ging weniger um die Geschichte als um die Gegenwart, was für einige der Salongäste wohl eine willkommene Abwechslung war -, habe ich für das Treffen am kommenden Donnerstag ein sehr konkretes Thema gewählt: Annette von Droste-Hülshoff, Selma Lagerlöf, Patricia Highsmith, Elfriede Jelinek… Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden, aber wir wollen (oder eigentlich: ich will) das Treffen im Salon mit diesen vier Schriftstellerinnen beginnen. Von dort kann man dann weitersehen und -reden.

Meine ausführliche Beschäftigung mit der Bedeutung von Dichterinnen-Biografien habe ich in diesem Blog dokumentiert.  Ich weiß, dass man bei der (quellennahen) Beforschung von Schriftstellerinnenleben Gefahr läuft, das literarische Werk zu vernachlässigen, da es oft gegen einen Widerstand entstanden ist, der seinerseits ein interessantes Thema abgibt und außerdem häufig ins Werk eingeflossen ist. (Bei Schriftstellern trifft das wohl gelegentlich auch zu, hat aber meistens nichts mit ihrem biologischen Geschlecht zu tun.) Die Mustererkennung läuft und ich vereinfache: Schriftstellerinnen schreiben trotzdem. Darüber sollte man reden.

Mittwoch, 17. September 2014 von Karin S. Wozonig
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Die Frauenfrage im Salon

Seit Jahren beschäftige ich mich mit der sogenannten Frauenfrage und mit der Bedeutung von Bildung für die politische und kulturelle Teilhabe von Frauen. Jetzt schafft es das Thema auch in den Salon “Kaffeehausgespräche“. Nächste Woche werde ich in diesem Kreis mit Informationen zu klugen und gebildeten Frauen im neunzehnten Jahrhundert nicht sparen.

Montag, 25. August 2014 von Karin S. Wozonig
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Interkulturalität 2

Im August hatte ich das Vergnügen, 41 wissbegierige junge Menschen aus vierzehn Ländern zu unterrichten. Der Unterricht neigt sich leider dem Ende zu (Sommerkurs), und ich ziehe Bilanz: Das interkulturelle Lernen funktioniert sehr gut und der Erwerb der Fremdsprache läuft ganz locker nebenbei. Was in diesen Kursen meiner Beobachtung nach vor allem vermittelt wird, ist eine Einsicht in andere Kulturen und Gesellschaftsformen. Es werden Freundschaften geknüpft, Klischees hinterfragt und Kochrezepte ausgetauscht. Manchmal wurden in meinem Unterricht auch ganz große Fässer aufgemacht; in Gesprächen über Demokratie und Kapitalismus zum Beispiel. Ich werde sie vermissen, “meine” Studierenden. Und ich setze große Hoffnungen in sie. Menschen mit einem offenen Blick für die Vielfalt des Zusammenlebens sind die Zukunft.

Mein Kollege Dr. Michael Pleister hat auf seiner Website seine Erfahrungen im Sommerkurs und seine Reflexionen zum Thema Lehren, das über die Sprachvermittlung hinausgeht, in zwei Texten (verfügbar als PDFs) festgehalten:

Lernbericht/Oberstufenkurs und Lernbericht/Mittelstufenkurs

Samstag, 2. August 2014 von Karin S. Wozonig
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Großer Krieg – noch lang kein Ende

Am 25. August 1916 begann ein Artikel: „In dieser furchtbaren Zeit!“ Niemandem fiel es auf. Am 25. August 1915 hätte man den Schreiber zensuriert, am 25. August 1914 gelyncht. Da hieß es noch die „große“ Zeit. Wie schnell vergißt man.

Georg Hermann: Randbemerkungen (1914-17). Berlin 1919

Freitag, 1. August 2014 von Karin S. Wozonig
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Großer Krieg – Beginn

Ich begreife nicht, wie anfangs die Begeisterung für den Krieg zustande kam; denn ich habe im letzten Jahre keinen Menschen gesprochen, der nicht sagte, ich bin von Anfang an gegen den Krieg gewesen, ich habe den Taumel nicht mitgemacht, habe mich auch nicht eine Sekunde bluffen lassen.

Georg Hermann: Randbemerkungen (1914-17). Berlin 1919

Donnerstag, 31. Juli 2014 von Karin S. Wozonig
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Großer Krieg 1

Wenn uns jemand gesagt hätte, daß am 1. August 1914 der Begriff der Kultur in Europa suspendiert werden würde, Harakiri begehen würde, daß Millionen und aber Millionen Leute, weggerissen aus der Arbeit, dem Fortschreiten der Welt würden, daß Kunst, Literatur, Wissenschaft, Handel, alles, alles plötzlich dem einen systematischen Mord hintangesetzt werden sollte, wenn uns jemand das gesagt hätte, dem hätten wir als Verleumder an der Menschheit ins Gesicht gespuckt. Nun – und wenn uns heute, Ende 1914, jemand sagt, daß das geschehen ist, daß mit diesem Datum, mit dem 1. August 1914, Europa auf ungewisse Zeit jegliche Kultur zum Tempel hinausgejagt hat, um an seiner Stelle den blanken Mord zu proklamieren, nun dann spucken wir dem Mann gleichfalls ins Gesicht … als Verleumder des „heiligen“ Krieges.

Georg Hermann: Randbemerkungen (1914-17). Berlin 1919

Mittwoch, 23. Juli 2014 von Karin S. Wozonig
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Interkulturalität

Seit einiger Zeit unterrichte ich wieder Deutsch als Fremdsprache. Und ich habe großes Glück. “Mein” Kurs besteht aus neun Menschen aus fünf Ländern. Und alle neun, Studentinnen und Studenten, sind ausgeprägte Persönlichkeiten und bringen ihre Erfahrungen aus ihren Heimatländern in den Unterricht ein. Ich lerne beim Unterrichten immer viel: Details über die Sprache, Neues über die Literatur. In diesem DaF-Kurs lerne ich auch etwas über die weite Welt und darüber, wie man unterschiedliche kulturelle und soziale Hintergründe produktiv zusammenführt.

Für mich bestätigt sich wieder einmal, was ich im Zuge der Fußball-WM täglich beobachten konnte: Selbstbewusste Menschen sind historisch und interkulturell lernbereit. Und diejenigen, die nach einem erfolgreichen Fußballspiel ihrer Nationalmannschaft laut nationalistische Gesänge grölend durch die Straßen ziehen, überkompensieren einen Mangel an Selbstvertrauen.

Dienstag, 1. Juli 2014 von Karin S. Wozonig
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Geschichte mit Bild

Selten habe ich die Gelegenheit, einen Text über Betty Paoli (von denen ich schon ziemlich viele verfasst habe, wie Sie auf dieser Seite sehen können – und die Themen gehen mir nicht aus) zu bebildern. Im schönen neuen Heft Ariadne der „Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung“ aber gibt es zu meinem Beitrag „Moral, Leidenschaft und Brotberuf. Betty Paoli und die Wandlungen der Frauenfrage“ auch ein paar Bilder. Und nicht nur das: Betty Paoli und ihre Tarockpartie haben es auf die Titelseite geschafft.

Dank an die Herausgeberinnen dieses Ariadne-Heftes Laura Schibbe und Janine Schemmer!

Freitag, 27. Juni 2014 von Karin S. Wozonig
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Virtueller Salon

Der Begleitblog zum literarischen Salon “Kaffeehausgespräche” ist zurück in der virtuellen Welt: www.kaffeehausgespraeche.de

Dienstag, 17. Juni 2014 von Karin S. Wozonig
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Das Leben der Literaturwissenschaft

Mein Lieblingsrezensent Rolf Löchel hat wieder einmal eine Rezension geschrieben, die nach meiner Einschätzung bedeutend interessanter und lesenswerter ist, als das Buch das er bespricht. In dem besprochenen Buch geht es hauptsächlich um den von „den Dekonstruktivisten“ – wer immer das sein mag – verkündeten Tod des Autors, also kein ganz neues Thema und eines, mit dem ich mich aus mehreren Gründen ausführlich beschäftigt habe.

Diese Gründe sind vielfältig. Erstens: Meine literaturwissenschaftliche Sozialisation fand in den 1990er Jahren statt und ich hatte reichlich Gelegenheit, mich zu fragen, wie das mit dem Tod des Autors denn jetzt zu verstehen sei, so ganz rein theoretisch gesprochen. Zweitens: Ich bringe – LeserInnen dieses Blogs dürfte das nicht entgangen sein – einen beträchtlichen Teil meiner Lebenszeit mit toten Autorinnen und einen kleineren mit toten Autoren zu, was durchaus Anlass zum Nachdenken bietet: Die sind tot und ich bin am Leben, was sagt uns das? Und drittens: Im Rahmen eines Forschungsprojekts, das sich mit dem Thema „Literatur und Wissen“ befasst hat, habe ich einen Autor (Thomas Stangl) zu meinem literaturwissenschaftlichen Urteil über einen seiner Romane befragt und er hat freundlicherweise Antworten gegeben. Vorgetragen habe ich meine Fragen bei einer Konferenz, bei der der Autor durch eine Vertreterin gesprochen hat (alle gendertheoretisch informierten DekonstruktivistInnen, und auch die Konstruktivistinnen, müssen bei diesem Szenario vor Neid erblassen). Gedruckt wird diese Befragung in einem Konferenzband, über den ich die LeserInnen dieses Blogs zu gegebener Zeit informieren werde. Kurz gesagt: Das von Rolf Löchel besprochene Buch birgt keine Überraschungen für mich.

Die Rezension hingegen ist absolut zu empfehlen, denn sie bietet einige knackige Antworten auf die Frage „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Literaturwissenschaft?“ Und fragen wir uns das nicht alle irgendwann?