Dienstag, 27. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Geselligkeit mit Betty Paoli

Anfang April 1861: Also um 5 Uhr: Erster Besuch im Salon Laube, zur täglichen Empfangsstunde. Frau Iduna saß auf ihrem Sofaplatz … Laube fragte die Dichterin Betti Paoli, ob es wahr sei, daß … na, irgend etwas, das er über sie gelesen habe. “Ach”, sagte die Paoli, schlug die schönen dunklen Augen gen Himmel und machte einen Zug an ihrer langen Zigarre,  “ach nein, das hat ja nur dieser Esel von Cerri geschrieben!” Laube: “Hier sitzt er!”

Erinnerungen an das alte Burgtheater. Von Auguste Wilbrandt-Baudius. In: Der Greif, 1. Jg.,  2. Bd. 1914

Samstag, 24. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Wahlgedanken

Gleich und gleich gesellt sich gern,
Wer du bist, zeigt dein Begleiter,
Aus dem Knecht kennt man den Herrn,
Aus der Fahne ihre Streiter.
Was du billigst, ob nur fern,
Ist nach Tagen oder Wochen
Dein, als ob du’s selbst gesprochen.

Franz Grillparzer

Montag, 19. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Bacillus Librorum

Der Salon „Kaffeehausgespräche“ widmet sich nicht nur der schönen Literatur (Belletristik), sondern Büchern im Allgemeinen, wie Sie am Thema des nächsten Termins – „Ratgeberliteratur“ – sehen können.

In diesem Zusammenhang möchte ich etwas zum Thema „bacillus librorum“ bemerken. Es handelt sich dabei um einen Krankheitserreger, der die Bibliomanie auslöst. Diese unterscheidet sich von der Bibliophilie dadurch, dass der Bibliomane vor verbrecherischen Taten nicht zurückschreckt, um an ein Buch zu kommen und seine Büchersammlung zu vergrößern. Die Übergänge zwischen Bibliophilie und Bibliomanie sind fließend, nehme ich an.

Entdeckt wurde der bacillus librorum im neunzehnten Jahrhundert von einem Herrn Dr. O’Rell. Das versichert glaubhaft Eugene Field (1850-1895) in seinem, tja, Roman „Love Affairs of a Bibliomaniac“ (1895).

Dr. O’Rell has an interesting theory which you will find recorded in the published proceedings of the National Academy of Sciences (vol. xxxiv., p. 216). Or, if you cannot procure copies of that work, it may serve your purpose to know that the doctor’s theory is to this effect—viz., that bibliomania does not deserve the name of bibliomania until it is exhibited in the second stage. For secondary bibliomania there is no known cure; the few cases reported as having been cured were doubtless not bibliomania at all, or, at least, were what we of the faculty call false or chicken bibliomania.

“In false bibliomania, which,” says Dr. O’Rell, “is the primary stage of the grand passion—the vestibule to the main edifice—the usual symptoms are flushed cheeks, sparkling eyes, a bounding pulse, and quick respiration. … The sufferer now stands in a slippery place; unless his case is treated intelligently he will issue from that period of gloom cured of the sweetest of madnesses, and doomed to a life of singular uselessness.

“But properly treated,” continues Dr. O’Rell, “and particularly if his spiritual needs be ministered to, he can be brought safely through this period of collapse into a condition of reenforced exaltation, which is the true, or secondary stage of, bibliomania, and for which there is no cure known to humanity.”

I should trust Dr. O’Rell’s judgment in this matter, even if I did not know from experience that it was true. For Dr. O’Rell is the most famous authority we have in bibliomania and kindred maladies. It is he (I make the information known at the risk of offending the ethics of the profession)—it is he who discovered the bacillus librorum, and, what is still more important and still more to his glory, it is he who invented that subtle lymph which is now everywhere employed by the profession as a diagnostic where the presence of the germs of bibliomania (in other words, bacilli librorum) is suspected.

I once got this learned scientist to inject a milligram of the lymph into the femoral artery of Miss Susan’s cat. Within an hour the precocious beast surreptitiously entered my library for the first time in her life, and ate the covers of my pet edition of Rabelais. This demonstrated to Dr. O’Rell’s satisfaction the efficacy of his diagnostic, and it proved to Judge Methuen’s satisfaction what the Judge has always maintained—viz., that Rabelais was an old rat.

Donnerstag, 15. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Wohltätigkeit gegen Zensur

Am 3. Mai gab man an der Wien zum Besten der barmherzigen Schwestern Zacharias Werner’s Vierundzwanzigsten Februar. Werner ist hier ganz und gar verboten, allein bei Vorstellungen zu wohlthätigen Zwecken setzt man es durch, sonst verbotene Sachen zu bringen, die natürlich schon um des Reizes am Verbotenen willen am besten ziehen. Man hat bei einer solchen Veranlassung sogar einmal die Räuber ganz unverkürzt und unverkümmert gegeben.

So brachte man denn Werner’s Februar zum Vorschlag. Der Bischof meint, er fände darin nichts Anstößiges. Die Kaiserin Mutter ließ den Censor rufen und sagte ihm dies. Der Censor äußerte, der Bischof müsse es wohl nicht verstehen, worauf die Fürstin meinte, so sei zu hoffen, das Publikum werde es noch weniger verstehen. [...]

Außerdem füllten den Abend ein Vaudeville von Holtei, die weiblichen Drillinge, in welchem er selbst spielte und Frln. Neumann vom Burgtheater die Hauptrolle hatte, – und ein Scenengemengsel ohne Zusammenhang und Verstand von Nestroy, der selbst darin ein nettes Quodlibet sang.

Notiz. Ein Theaterabend in Wien. Brieflich. In: Zeitung für die elegante Welt. 97, 21. Mai 1842

Montag, 12. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Göttinnen-, Musen, Nymphen- und Blumennamen

Der Druck, der [im Vormärz] auf dem Drucke lastete, hat eine doppelte Literatur hervorgerufen: eine, die sich ihm fügte, eine andere, die ihm entfloh. [...] Ersterer Richtung entsprang die für jene Zeit charakteristische, in üppiger Fülle aufsprossende Saat der im alltäglichen Sinne durch Einband und Inhalt elegant sein wollenden Wiener Almanachs- und Taschenbücherliteratur, unter deren, allen Kreisen der antiken Mythologie und der einheimischen wie fremden Pflanzenwelt entliehenen Göttinnen-, Musen, Nymphen- und Blumennamen, auf goldgeränderten Blättern meist dilettirende Verskünstler harmlose Gefühle und Einfälle preisgaben.

Aber auch echte Dichter wie Bauernfeld, Betty Paoli, Deinhardstein, Frankl, Gabriel Seidl, Nepomuk Vogl, der schwungvolle Sänger der ‚Todtenkränze‘ und der ‚Nächtlichen Heerschau‘, Zedlitz, der feinsinnige Verfasser der Detail-‚Studien‘, Adalbert Stifter, ja selbst Grillparzer, dessen plastisch gemeisseltes Charakterbild ‚Der alte [!] Spielmann‘ zuerst in der ‚Iris‘ erschien, und Fr. Halm verschmähten es nicht, in die durch alle Stände sich ausbreitende Region von Seide und Gold schimmernder, ungefährlicher ‚Lesefrüchte‘ herabzusteigen.

Robert Zimmermann: Wissenschaft und Literatur. In: Wien, 1848-1888: Denkschrift zum 2. Dezember 1888. Herausgegeben vom Gemeinderathe in Wien, Wien 1888

Samstag, 10. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Freitag, 9. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Der Eisstoß in Prag 1845, Teil 4

Mundartgedichte und ‚Geschichten aus dem Volke’ stehen in dem Wohltätigkeitsalbum neben schwermütiger Liebeslyrik, romantische Naturschilderungen neben Scherzgedichten. Einige der Texte sind als Ausschnitte aus bereits veröffentlichten Werken markiert, unter den Prosatexten befinden sich historische Abhandlungen,  Reiseschilderungen und Auszüge aus literarischen Tagebüchern. Das Album zum Besten der durch die Ueberschwemmungen im Frühjahr 1845 in Böhmen Verunglückten gibt einen sehr aufschlussreichen Einblick in das literarische Leben und das intellektuelle Netzwerk der Zeit.
Quelle: Karin S. Wozonig: Netzwerke der Wohltat und der Literatur. Das Album zum Besten der durch die Ueberschwemmungen im Frühjahr 1845 in Böhmen Verunglückten. In: Hanna Bergerová, Renata Cornejo, Ekkehard Haring (Hg.): Festschrift zum 15. Gründungsjubiläum des Lehrstuhls Germanistik. Ústí nad Labem 2005. S. 248-254

Sonntag, 4. April 2010 von Karin S. Wozonig
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Der Eisstoß in Prag 1845, Teil 3

Unter den Beiträgern des Wohltätigkeitsalbums finden sich prominente Vertreter der Biedermeierliteratur wie Ladislaus Pyrker, Anastasius Grün, Friedrich Halm, Eduard von Bauernfeld. Auch Texte von Caroline Pichler und Franz Grillparzer sind in dem Album vertreten.

Von Grillparzer finden wir die Gedichte Alma von Göthe und Wanderscene, von der 1843 verstorbenen Caroline Pichler steuert Ludwig August Frankl Briefe aus dem Nachlass bei. Frankl, der mit vielen der Literaten durch seine regelmäßigen Besuche im Salon der Henriette Wertheimer bekannt war, erklärt in einer Einleitung, dass die Veröffentlichung der Korrespondenzstücke zu wohltätigem Zweck ganz im Sinne Pichlers gewesen wäre.

Außerdem stellt Frankl (neben eigenen Texten) ein Gedicht von Joseph Emanuel Hilscher zur Verfügung und erläutert, dass der von den Überschwemmungen besonders betroffene Ort Leitmeritz Hilschers Geburtsort sei.

Viele der im Album vertretenen Autoren sind Almanach-erprobte Vielschreiber, so z. B. Ignaz F. Castelli, Heinrich von Levitschnigg und Johann Nepomuk Vogel, viele Beiträger sind einander in den Salons der Ottilie von Goethe bzw. der Henriette Wertheimer begegnet. [...] Von Betty Paoli finden sich vier Gedichte in dem Album, formal in der ihr eigenen Strenge und mit Themen, die für ihre Lyrik typisch sind: Schmerz, Seelenleid, innerer Kampf und Todesahnung. [Fortsetzung folgt.]

Quelle: Karin S. Wozonig: Netzwerke der Wohltat und der Literatur. Das Album zum Besten der durch die Ueberschwemmungen im Frühjahr 1845 in Böhmen Verunglückten. In: Hanna Bergerová, Renata Cornejo, Ekkehard Haring (Hg.): Festschrift zum 15. Gründungsjubiläum des Lehrstuhls Germanistik. Ústí nad Labem 2005. S. 248-254