Dienstag, 18. Oktober 2022 von Karin S. Wozonig
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„Im Tempel hier hat auch die Frau ein Recht“

Selbst- und Fremdermächtigungsakte in der Literatur und im Literaturbetrieb feiern gerade ein Comeback. Falls Sie einen Blick auf die Anfänge werfen wollen, haben Sie heute dazu Gelegenheit: Veranstaltung in der Wienbibliothek („vor Ort“ und nachzuschauen im „Stream“).

Franz Grillparzer: „Im Tempel hier hat auch die Frau ein Recht“ – Frauen, Dramen, Liebe, Kunst.
Dienstag, 18. Oktober 2022, 18.30 Uhr Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus (Rathaus, Eingang Lichtenfelsgasse, Stiege 6 (Glaslift), 1. Stock, 1010 Wien)

Donnerstag, 28. April 2022 von Karin S. Wozonig
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Höchste Zeit für ein Frühlingsgedicht

Frühlings Kommen

Der Wächter auf den Zinnen
Treibt gar gewaltgen Spuk.
Sieht er wohl Gäste kommen?
Er schreit: »Guck, guck! Guckguck!«

Ein Diener auf sein Rufen
Herum im Hause geht,
Der nimmt die weißen Hüllen
Vom schimmernden Gerät.

Ein andrer breitet Teppich,
Milchfarb und rosenrot;
Baumwollen das Gewebe:
Der Baum die Wolle bot.

Drauf kommen Musikanten,
Sie stimmen, proben nie,
Und doch, kommts nun zum Spielen,
Wie herrlich stimmen sie.

Ein Vorhang, rot von Seide,
Fliegt weichend von der Tür,
Der Pförtner, golden schimmernd,
Kommt öffnend draus herfür.

Halb zieht er nur den Vorhang,
Daß Tag und Dunkel gleich,
Da tritt herein der Fremdling,
Ein König in sein Reich.

Was Augen hat, schließt auf sie,
Im Garten Haupt an Haupt,
Am Raine schiebt und drängt sichs,
Die Gänge stehn umlaubt.

Am Tor auch pochts des Herzens.
Willst hier auch freien Lauf?
Nun, bringst du schöne Lieder,
So mach ich dir wohl auf.

Franz Grillparzer

Dienstag, 8. März 2022 von Karin S. Wozonig
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Grillparzer ist alterslos

Über Grillparzer kann man aus vielen Gründen – einen finden Sie hier: Wahlgedanken – gar nicht genug schreiben, daher heute ein Hinweis auf eine Rezension des Buchs von Brigitte Prutti: „Franz Grillparzer. Porträts des Dichters als alter Mann“.

Mittwoch, 16. Februar 2022 von Karin S. Wozonig
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Paraphrase

Ein Menschenleben ach, es ist so wenig!
Ein Menschenschicksal, ach, es ist so viel!
Franz Grillparzer

Der Welle gleich, die, fortgespült vom Strande,
Spurlos im weiten Ocean verschwimmt;
Der Flamme ähnlich, die nach kurzem Brande
Zu einem todten Aschenrest verglimmt;
Ein Schatten nur, in täuschendem Gewande,
Der, kaum erschienen, auch schon Abschied nimmt:
Blindwaltenden Gesetzen unterthänig,
Ein Menschenleben, ach, es ist so wenig!

Allein in dieser winz’gen Spanne Zeit,
die uns, den Bildern eines Traums, gelassen,
Welch ein Gewog‘ von Lust und Kampf und Leid,
Von tiefstem Lieben und von tiefstem Hassen!
Ist auch das Leben kurz, das Herz ist weit
Und stark genug, die Ewigkeit zu fassen
Im Loos, das ihm für flücht’ge Tage fiel.
Ein Menschenschicksal, ach, es ist so viel!

Wien 16. Februar 1872

Betty Paoli

Freitag, 21. Januar 2022 von Karin S. Wozonig
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Kein Freund der Kleindichter

Betty Paoli schreibt über Franz Grillparzer, mit dem sie jahrelang freundschaftlich verbunden war:

Viele hielten ihn für einen Egoisten, weil er sich nicht von jeder Lappalie, wegen der man sich an ihn wendete, aus seiner stillen Gedankenwelt reißen ließ und überhaupt den Verkehr mit Anderen eher mied als suchte. Daran, meine ich, hat er sehr wohl getan; ein Mensch wie er hat einen anderen Beruf, als ein angenehmer Gesellschafter zu sein oder eine Kleindichterbewahranstalt zu gründen.

Freitag, 5. März 2021 von Karin S. Wozonig
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Samstag, 7. Dezember 2019 von Karin S. Wozonig
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Benefiz

Der Großmüthige

Im Schenken ohne Maß, bey Darleh’n klug bedacht;
Entzückst Du Bettler heut, die gestern Du gemacht.

Franz Grillparzer

Samstag, 17. November 2018 von Karin S. Wozonig
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Weltschmerrrz

Betty Paoli hat es in die Schweiz geschafft, in die Sendung „Weltschmerz Österreich“ des SRF.

Mittwoch, 18. Juli 2018 von Karin S. Wozonig
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Salon-Sohn

Im Jüdischen Museum in Wien gibt es gerade eine Ausstellung zum Thema Salon, die sehr interessant ist, aber ein Manko hat: Sie beschäftigt sich mit diesen in der Zeit von 1780 bis 1938 „meist von ihren jüdischen Gastgeberinnen geprägten Kommunikationsräumen“, die „in zweifacher Hinsicht Orte der Emanzipation und der Ermächtigung“ waren und ausgerechnet Ida Fleischl-Marxow (Lebensfreundin von Betty Paoli) wird nicht erwähnt. Zitat aus einen Nachruf auf Ida Fleischl-Marxow:

Eine Erscheinung von so reicher Eigenart mußte ungesucht zu einem Krystallisations-Punkte schöner Geselligkeit werden, und das Haus Fleischl hat eine markante Rolle im geistigen Gesellschaftsleben Wiens gespielt. Kein literarischer Salon – denn nichts lag Frau von Fleischl ferner als Coteriewesen – war es der Sammelpunkt eines weiten, eigenthümlich mannigfaltigen Kreises, in welchem sich Vertreter der Litteratur, Wissenschaft und Kunst mit denen der verschiedensten Stände zu jenem behaglich ungezwungenen Verkehr zusammenfanden, wie ihn nur das gleichstellende Wohlwollen der Hausfrau hervorzurufen vermag.

Was kann man Besseres über einen Salon sagen? Und es gibt etwas ganz Besonderes an Ida Fleischl-Marxows Salon: Er brachte einen Salon-Sohn hervor. Zitat aus den „Römischen Memoiren“ von Ludwig Pollak:

Was die Ärzte der deutschen Colonie betrifft, so war gegen Ende des 19. Jhdts. […] der an Römerjahren älteste der Wiener Dr. Otto von Fleischl Marxow (1849-1935). Aus einer hochstehenden jüdischen Wiener Familie stammend – die Mutter geb. Marx war Münchnerin u. intime Freundin der Dichterin Marie Ebner Eschenbach – und die besten Geister des damaligen Wien, so Grillparzer, Laube, Billroth, Exner, verkehrten im väterlichen Hause. […] Fleischl kam schon 1873 nach Rom, wo er bis zum Weltkriege blieb. Er wurde der meistgesuchte Arzt der Colonie u. oesterr. ung. Botschaftsarzt. Mit der Zeit wurde sein Haus – er selbst war ein trefflicher Pianist – das Rendezvous besonders von Musikern wie Liszt, Wagner, Brahms, Sgambati u. Joachim; Nietzsche, die Maler Böcklin, Lenbach, Pidoll u. Stauffer Bern waren oft Gäste bei Fleischls. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein vornehmer Mann, uneigennützig, hilfreich u. edel, behandelte Unbemittelte umsonst, ihnen noch die Medizinen zahlend, vielleicht zu weich für seinen schweren Beruf.

Montag, 16. Januar 2017 von Karin S. Wozonig
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Zeit für Grillparzer

Es wird Zeit, dass wir wieder einmal ausführlich über Grillparzer reden, dessen Nachlass sich übrigens entgegen anderslautenden Gerüchten nicht irgendwo, sondern in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus befindet – just dort, wo auch der Nachlass von Betty Paoli liegt.