Sonntag, 16. Oktober 2016 von Karin S. Wozonig
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schreibenzeichnensingen

In Vorbereitung auf meinen verflossenen Gastauftritt beim literarischen Kamingespräch „tea for three“ (Dank an Daniela Strigl und Klaus Nüchtern für die Einladung!) habe ich das Buch „Verbannt!“ von Ann Cotten gelesen, eine wilde Geschichte mit einer auf eine Palme gebrachten Protagonistin mit Persönlichkeitsstörung und mit dem personifizierten Internet, das, wie könnte es anders sein, ein Kabel ist; aber nicht irgendeines, sondern eines, das einem letscherten Soletti ähnelt.

Das alles ist in Pseudo-Spenser-Strophen verfasst, oder auch nicht, wie es der Autorin gerade einkömmt. Auf jeden Fall reimt sie viel, und was sich reimt, ist gut. Allerdings reimt sie auch ziemlich viel nicht und das ist auch nicht schlecht. Thematisch bewegt sich dieses Versepos sehr behände zwischen Plastikmüll, Medienschelte, Kapitalismuskritik und Massentierhaltung – und noch einigem anderen.
Das Buch eignet sich sehr gut für das solitäre Lautlesen und für das Vorlesen in geselliger, Wortwitz schätzender Runde. Hier meine Lieblingsstellen, dem Metadiskurs entnommen:

„Macht also besser gleich Bier aus den jungen Dichtern!
Malzapparate gibt es schon zuhauf.
Macht Bier auch aus den Kritikern und Kunstrichtern!
Lasset sie kommen, stampfet sie und sauft!“

„Ein Wort haut das andere, dieses haut zurück, und dann
kommen noch mehr dazu.“

Soviel zum Buch, das von der Autorin selbst herzerwärmend illustriert wurde und eine lohnende Lektüre ist.

Dank des Salons „Musenküsse“ von Eva Geber und Verena Dürr weiß ich, dass Ann Cotten außer schreiben und zeichnen auch noch singen kann. Und dazu möchte ich sagen: Sollten Ann Cotten und ihre Schwester Lucy (sie spielt Cello und als Combo sind sie „dental princes“) in Ihrer Nähe einen Auftritt haben, lassen Sie alles liegen und stehen und gehen Sie hin. Sie werden es nicht bereuen.

Sonntag, 27. Oktober 2013 von Karin S. Wozonig
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Gute Nacht: Paolis Komponisten

Vor einiger Zeit habe ich in diesem Blog über ein Gedicht von Betty Paoli geschrieben, das sehr populär war und unter dem Titel „Gute Nacht“ mehrfach vertont wurde. Damals habe ich immerhin fünf Vertonungen gezählt, mittlerweile bin ich klüger. Das Gedicht war so weit verbreitet, dass es häufig ohne Verfasserangabe gedruckt wurde, außerdem taucht es unter verschiedenen Titeln auf („Gute Nacht“, „Zum Tagesschluss“, „Im tiefsten Innern“), was daran liegt, dass es 1843 in einem Liederkranz ohne Titel (als Nummer 37) publiziert wurde. Bisher habe ich 26 Komponisten und 3 Komponistinnen gefunden, die dieses Gedicht vertont haben.

Freitag, 22. Juli 2011 von Karin S. Wozonig
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Viel- und Schönschreiber

Gestern fand ein Salongespräch zum Thema „Literatur und Musik“ statt. Wie üblich bei den Kaffeehausgesprächen war ich für die historische Einführung zuständig. Ich widmete mich dem Kunstlied der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und da ganz besonders dem Autor Friedrich Rückert. Das gab mir Gelegenheit, einen meiner Lieblingsalmanache, die Aglaja aus dem Jahr 1823, herumzuzeigen, denn sie enthält einen Rückert-Erstdruck. Bis vor kurzem dachte ich, das sei etwas Besonderes. Aber ich habe einen (literarischen) Salon gegründet, um etwas zu lernen, und so weiß ich jetzt, dass Rückert in der Zeit von 1813 bis zu seinem Tod ca. 2 150 Gedichte in Almanachen, literarischen Taschenbüchern und Zeitschriften veröffentlichte (nachzulesen in dem hübschen Katalog: Georg Drescher, Rudolf Kreutner und Claudia Wiener: »O sehet her! die allerliebsten Dingerchen …« – Friedrich Rückert und der Almanach. Ergon Verlag, Würzburg, 2000.)

Außerdem habe ich über Emanuel Geibel gesprochen, oder eigentlich über Wilhelm Buschs Bildergeschichte „Balduin Bählamm der verhinderte Dichter“, deren Protagonist eine gewisse Ähnlichkeit mit Geibel hat.

Das Werk von Busch beginnt mit dem schönen Vers:

Wie wohl ist dem, der dann und wann
Sich etwas Schönes dichten kann!

und ist im Ganzen lesens- und sehenswert.

Freitag, 15. Juli 2011 von Karin S. Wozonig
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Musik und Literatur

Das nächste Kaffeehausgespräch wird sich einem Thema widmen, an dem niemand vorbei kommt, der sich mit der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts beschäftigt, nämlich der Verbindung von Literatur und Musik. Die Vertonung von Gedichten ist gerade in der Zeit des sogenannten Biedermeier sehr häufig zu finden und in die literarischen Taschenbücher und Almanache werden immer wieder auch Noten aufgenommen. Auch einige Gedichte von Betty Paoli wurden vertont. Über eines davon – es trägt den Titel „Gute Nacht“ – habe ich vor einiger Zeit bereits berichtet.