Montag, 1. Juni 2015 von Karin S. Wozonig
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Brach

Er liegt ein bisschen brach, dieser Blog. Das wirkliche Leben beansprucht meine ganze Aufmerksamkeit. Dass ich hier seit Monaten nicht mehr über Betty Paoli geschrieben habe, bedeutet natürlich nicht, dass ich nicht an anderem Ort über sie veröffentliche: Mein Aufsatz “Liebeslyrik und Biedermeierprosa. Bürgerliche Familienkonzepte bei Betty Paoli” ist im JOURNAL OF AUSTRIAN STUDIES, VOL. 48, NO. 1, S. 81-103 erschienen. Er basiert auf einem Vortrag, den ich vor einiger Zeit in Denver – auch eine schöne Stadt! – gehalten habe.

Donnerstag, 12. Februar 2015 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli wurde gefeiert

Wien ist in vielen Teilen sehr hübsch anzusehen – so neunzehntes Jahrhundert. Das Rathaus zum Beispiel, 1883 fertig gestellt, hat einen Stadtsenatssitzungssaal mit vergoldeter Holzdecke und grünen Seidendamasttapeten – man soll ja nicht an der falschen Stelle sparen. In diesem Raum wurde auf Initiative von Julia Danielczyk der zweihundertste Geburtstag von Betty Paoli gefeiert und ich finde, der Rahmen war passend.

Marlen Schachinger baute in ihre anspruchsvolle  “analytisch-literarische Auseinandersetzung” (Festrede) viel Paoli-O-Ton ein. Es ging um Biografisches und Biografismus, um Beruf und Berufung, und über Tarock habe ich auch etwas gelernt. Am Ende wurde eine Vertonung von Paolis Gedicht “Gute Nacht” auf der Geige gespielt, ein schöner Abschluss.

Besonders gut gelungen war meines Erachtens die Reflexion über marktdominierte Schreibbedingungen. Diese Reflexion hat Marlen Schachinger in Form der Verflechtung oder des Brückenschlags zwischen dem neunzehnten und dem einundzwanzigsten Jahrhundert präsentiert, mit Blick in die eigene Werkstatt.

Betty Paoli hat sich literarisch ausführlich mit der prekären Lage von Autorinnen und Autoren auseinander gesetzt. Ihr dienten die Biografien von Jules Mercier, einem saint-simonistischen Lieddichter (Selbstmord 1834), und Élisa Mercœur, einer von Chateaubriand protegierten, jung verstorbenen Dichterin, als Vorlage für zwei Almanachbeiträge. Aber auch in ihre Lyrik fließt die Diskrepanz zwischen dem Bedürfnis, hehre Kunst zu schaffen, und der mangelnden Anerkennung (entsprechend auch der mangelnden Entlohnung) als Thema ein.

Diesbezüglich immer noch lesenswert ist Paolis vor 141 Jahren erschienenes Feuilleton “In Sachen der Literatur”, das mit den Sätzen beginnt:

Es gab eine Zeit – und sie liegt nicht sehr ferne hinter uns – in der man dem Himmel, der sich der Vögel in der Luft und der Blumen auf dem Felde getreulich annimmt, auch die Sorge für die Existenz des Dichters und des Schriftstellers überließ. Leider kann man nicht behaupten, daß er dieses Vertrauen immer gerechtfertigt habe.

Was mich dazu bringt, auf eine weitere Veranstaltungsreihe (neben der, in deren Rahmen Paoli gewürdigt wurde: “Autorinnen feiern Autorinnen”), die auf Julia Danielczyks Initiative zurückgeht, hinzuweisen: Literatur im MUSA.

Freitag, 23. Januar 2015 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli wird gefeiert

Im Dezember 1885 wurde mit einem Jahr Verspätung der 70. Geburtstag Paolis mit einem offiziellen Porträt-Auftag gefeiert.

29. Dezember 1885: Um zehn Uhr kam der Bürgermeister zu Betty um ihr seinen Glückwunsch darzubringen, hat eine prächtige Adresse überreicht in welcher Betty ersucht wird sich von „hervorragenden Künstlerhänden“ für das Rathaus malen zu lassen. [...] die linke Hand muß auch mitmalen. O meine geliebten Österreicher! (Tagebuch Marie von Ebner-Eschenbach)

Anfang 1886 wurde die Aufgabe in die hervorragenden Künstlerhände von Marie Müller gelegt.

2015 wird Paoli dank der Initiative der Leiterin des Literaturreferats der Stadt Wien, Julia Danielczyk, wieder im Rathaus geehrt. Anlässlich ihres 200. Geburtstags wird die österreichische Autorin Marlen Schachinger Betty Paoli eine “analytisch-literarische Auseinandersetzung widmen.

Die Ankündigung dieser Veranstaltung finden Sie hier.

Dienstag, 1. Juli 2014 von Karin S. Wozonig
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Geschichte mit Bild

Selten habe ich die Gelegenheit, einen Text über Betty Paoli (von denen ich schon ziemlich viele verfasst habe, wie Sie auf dieser Seite sehen können – und die Themen gehen mir nicht aus) zu bebildern. Im schönen neuen Heft Ariadne der „Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung“ aber gibt es zu meinem Beitrag „Moral, Leidenschaft und Brotberuf. Betty Paoli und die Wandlungen der Frauenfrage“ auch ein paar Bilder. Und nicht nur das: Betty Paoli und ihre Tarockpartie haben es auf die Titelseite geschafft.

Dank an die Herausgeberinnen dieses Ariadne-Heftes Laura Schibbe und Janine Schemmer!

Donnerstag, 8. Mai 2014 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli stellt Fragen

Ist es nicht eine seltsame Erscheinung, daß während ganz Europa in Waffen starrt und der menschliche Scharfsinn sich eifrigst mit der Erfindung neuer Mordmaschinen beschäftigt, die Propheten des ewigen Friedens immer zahlreicher werden? Wenige Monate nach dem Genfer Friedenskongreß ertönte neuerlichst im französischen Senat von Michel Chevaliers Lippen der orakelhafte Ausspruch: „Die Zeit der Kriege ist um.“ Jedenfalls meinte er es ernster als die in Genf versammelten Männer, die sehr wohl wissen, daß nur die furchtbarsten Kämpfe ihnen zur Herrschaft verhelfen können. …

Nun bleibt allerdings hier noch die Frage offen: Ist die Prophezeiung ewigen Friedens etwa nur verfrüht? etwa nur insofern irrig, als sie uns die Zustände, die  einst späte Nachgeschlechter beglücken werden, schon für die nächste Zukunft verheißt? Wenn wir noch tief genug in den Banden roher Leidenschaft und knechtisch dumpfen Sinnes liegen, um die Schlichtung jedes Streites der brutalen Gewalt zu übertragen, so folgt ja daraus noch nicht, daß unsere Epigonen sich nicht zu einer höheren Stufe menschlicher Entwicklung emporringen werden. …

Niemand wird es in den Sinn kommen, den ungeheuren geistigen Fortschritt zu leugnen, dessen Augenzeugen wir sind. Aber man vergesse das Eine nicht: der Einfluß der Civilisation erstreckt sich nicht weiter als auf den Intellekt des Menschen. Sie kann falsche Begriffe rektifiziren, Vorurtheile beseitigen, tausend Fäden anspinnen, an die sich das Wohl von Unzähligen knüpft, aber an dem innersten Kern des Menschen, an jener geheimnißvollen Macht, die immer gleich unerforschlich bleibt, ob man sie Dämon, Instinkt oder Wille nenne, vermag sie nicht das Geringste zu ändern. …

Mit Recht bestaunt man den ungeheuern Wissensschatz, den die Menschheit im Laufe der Jahrtausende zusammentrug; ist aber der Mensch durch ihn anders geworden? Bewegen sein Herz nicht heute noch dieselben Leidenschaften, von denen die urältesten Mythen sprechen? Sind in dem Maße, wie das Wissen sich vermehrte, Eigennutz und Ungerechtigkeit aus der Welt verschwunden? Ist die Gier, sich mit fremdem Gute zu bereichern, sind Ruhm- und Selbstsucht schwächer geworden, seit die Astronomen über den Lauf der Gestirne, die Physiologen über die verborgensten Geheimnisse des Lebens lichtvollen Aufschluß zu geben vermögen? …

Auszug aus Betty Paoli: “Die Friedensmänner”, 1868

Sonntag, 27. April 2014 von Karin S. Wozonig
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Lesung bei Ida Fleischl

Aus dem Tagebuch von Marie von Ebner-Eschenbach, 27. April 1887:

Abends Vorlesung Auguste Wilbrandts bei Ida. Poe Das verrätherische Herz. Villinger Der Eskimo. Bei Marsala. Klaggesang. Marsala wundervoll übersetzt von Betty.

Sonntag, 20. April 2014 von Karin S. Wozonig
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Konzeptuelle Reisen

Nächste Woche wird in Wien die ESSHConference stattfinden und ich werde dabei sein, um in einem Panel über “reisende” Konzepte zu sprechen. Das konkrete Konzept, oder eigentlich: die Idee, deren Bewegung durch Raum und Zeit ich in meinem Vortrag untersuchen werde, ist die der gesellschaftlichen Gleichstellung von Frauen mit Männern. Selbstverständlich beschäftige ich mich mit dieser Frage anhand eines Fallbeispiels. In Frage käme z.B. Betty Paolis Nachdenken über die Philosophie von Mary Wollstonecraft. Dieses oder Ähnliches sollte mein Vortrag enthalten:

Betty Paoli had begun publishing feuilletons and reviews in 1848 and had been writing feuilletons on the social and economical situation of women for the Austrian “Neue Freie Presse” since the 1860ies. In these texts, Paoli based her arguments for female education and opportunities for qualified gainful employment for women on demographical changes in Austria and also frequently referred to the legal situation in France and in the USA. Though Paoli utilised “travelling concepts” (M. Bal) from an emancipatory discourse, she generally started off from the main point of interest of her readership, namely economy, and carefully minimized references to the feminist movements of either foreign or Austrian origin. However, in 1885, she writes an article on “Die Wandlungen der Frauenfrage” (“Transformations of the Woman Question”). In this text Paoli explicitly uses Mary Wollstonecraft’s seminal text “A Vindication of the Rights of Women” (1792) and the well known example of the life and work of George Sand to create a historical perspective of transnational developments in women’s rights. Here Paoli focuses on the interconnectedness of bourgeois gender roles, particularly on the economic aspects of marriage, and on the economical situation of unmarried (middle class) women. At the same time, though, she creates a narration of advancement through which she provides herself as a writer with a historical connection to her predecessors and thus she reaches beyond the necessities of the moment she agitated for in earlier texts.
In my paper I will present Betty Paoli’s feuilletons on the so called “Frauenfrage” and the essay of 1885 in particular as exemplary for the transformation and selective use of the historic and transnational flow of ideas and knowledge in regard to the realisation of women’s rights and gender equity. Paoli’s adaptation of progressive arguments for the bourgeois readership she targeted will be examined in a close reading approach to unveil its heuristic quality and to highlight it as a specific praxis of discourse.

Zumindest habe ich das gedacht, als die abstracts für das Konferenzprogramm (Mai 2013) fällig waren. Abstract, die kurzen Zusammenfassungen von Vorträgen oder Aufsätzen, die gelegentlich lange vor dem dazugehörigen Text zu schreiben sind, heißen deshalb Astracts, weil die darin entwickelten Ideen noch völlig abstrakt erscheinen – zumindest geht mir das so. Im Laufe der Zeit hat sich für mich herausgestellt, dass George Sands Romane, im Zusammenhang mit der Frage die ich stelle, aufschlussreicher sind als Mary Wollstonecrafts politische Schriften. Und deshalb werde ich am kommenden Samstag bei der Konferenz nur über erstere sprechen, ganz gemäß der Auffassung, dass sich bewegende (Vortrags)konzepte ein wichtiges kulturwissenschaftliches Instrument sind.

Sonntag, 13. April 2014 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli im Porträt

Aus dem Tagebuch von Marie von Ebner-Eschenbach, April 1886: “Mit Ida in das Atelier Frln Müllers um Betty Porträt zu sehen. Stirn Augen und Nase vortrefflich. Die geistige Ähnlichkeit gut getroffen.”

Montag, 30. Dezember 2013 von Karin S. Wozonig
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Immer diese Literaturgeschichte

Wir feiern am 30. Dezember Betty Paoli’s Geburtstag – eigentlich den 71t; offiziell (Dank der Ungenauigkeit der Literaturgeschichte) den 70t.

Marie von Ebner-Eschenbach an Paul Heyse am 4. 12. 1885

Sonntag, 27. Oktober 2013 von Karin S. Wozonig
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Gute Nacht: Paolis Komponisten

Vor einiger Zeit habe ich in diesem Blog über ein Gedicht von Betty Paoli geschrieben, das sehr populär war und unter dem Titel „Gute Nacht“ mehrfach vertont wurde. Damals habe ich immerhin fünf Vertonungen gezählt, mittlerweile bin ich klüger. Das Gedicht war so weit verbreitet, dass es häufig ohne Verfasserangabe gedruckt wurde, außerdem taucht es unter verschiedenen Titeln auf (”Gute Nacht”, “Zum Tagesschluss”, “Im tiefsten Innern”), was daran liegt, dass es 1843 in einem Liederkranz ohne Titel (als Nummer 37) publiziert wurde. Bisher habe ich 26 Komponisten und 3 Komponistinnen gefunden, die dieses Gedicht vertont haben.