Freitag, 29. Januar 2010 von Karin S. Wozonig
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Winter 1886

Wien 25 Januar 1886.

Geehrtester Herr!

Ich hoffe, daß der Aufenthalt in Meran Ihnen recht wohl bekommt und möchte Sie eindringlich ermahnen, denselben ja nicht eigenmächtig abzukürzen. Wir haben hier einen zwar nicht übermäßig strengen, aber abscheulichen schneereichen Winter und müssen uns auf ein elendes Frühjahr gefaßt machen. Kehren Sie ja nicht nach Wien zurück, bevor man, soweit das in unserem Klima überhaupt möglich ist, auf gutes, warmes Wetter rechnen darf; Sind Sie einmal in Wien, so machen Sie mir hoffentlich auch das Vergnügen mich zu besuchen. Inzwischen verbleibe ich mit besonderer Hochachtung

Ihre ergebene
Betty Paoli

Sonntag, 24. Januar 2010 von Karin S. Wozonig
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Reden über ein dickes Buch

Am Donnerstag, 28. Jänner 2010, kommt die “Neigungsgruppe” – oder gar: Neugiergruppe – “Der Mann ohne Eigenschaften” zum zweiten Mal zusammen. Es handelt sich um eine Ausgründung des Salons Kaffeehausgespräche, in der über den Roman von Robert Musil gesprochen wird. Warum? Weil sich manche (einige wenige) Bücher gemeinsam besser lesen lassen, und weil literaturwissenschaftliche Anleitung den Lesegenuss manchmal erhöhen kann.

Donnerstag, 21. Januar 2010 von Karin S. Wozonig
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Gedichte schreiben

Beim Jänner-Kaffeehausgespräch ist es um Gedichte gegangen. In Vorbereitung auf das Gespräch habe ich – die ich erst ein Mal ein Gedicht verfasst habe (es wurde gedruckt! anonym, in der Institutszeitung) – gedichtet wie wild. Und zwar unter der Anleitung des komischen Stephen Fry. Er ist der Verfasser des Buchs “The Ode Less Travelled”, 2005 erschienen, 2008 sehr gekonnt übersetzt von vierzehn Absolventinnen und Absolventen des Aufbaustudiengangs Literarisches Übersetzen an der LMU. Meine Lieblingsübung aus dem Buch ist Nr. 15, die Sestine.

Montag, 18. Januar 2010 von Karin S. Wozonig
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Veranstaltungshinweis

S.T.I.L. e.V. Gut zu hören
Literatur und Musik, zusammengestellt von Stephan Benson
Donnerstag, 21. 1. 2010, 20.00 Uhr

Stephan Benson liest aus dem Roman „Gegen den Strich“ von Joris K. Huysmans und spielt Musik ein
Karin S. Wozonig moderiert

Fabrik, Valentinskamp 34, 20355 Hamburg / Gängeviertel
Eintritt frei – Spenden willkommen
Anmeldung erbeten unter: 040 4327 8707 oder info@stil-ev.de

Samstag, 16. Januar 2010 von Karin S. Wozonig
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Grillparzer wird gefeiert

Am 15. Jänner 1868 bringt Marie von Ebner-Eschenbach dem Dichter Franz Grillparzer, der an diesem Tag seinen 77. Geburtstag feiert, einen Blumenstrauß. Sie notiert in ihrem Tagebuch:

Nach dem Besuch bei ihm ging ich hinüber zu den Fräuleins Fröhlich und fand Betty Paoli dort.

Freitag, 15. Januar 2010 von Karin S. Wozonig
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Charlotte Wolter spielt Grillparzer

Aus dem Tagebuch von Marie von Ebner-Eschenbach, 15. Jänner 1867:

Grillparzers Geburtstag. Ich fand ihn heiter und angeregt. Frl. Wolter schickte ihm einen prachtvollen Strauß und ihr Bild; es schien ihn sehr zu freuen. Am Abend Sappho; die Wolter übertraf sich selbst; sie hat vielleicht noch nie so herrlich gespielt, wie an dem Abend.

Montag, 11. Januar 2010 von Karin S. Wozonig
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Schauspielerinnen und Bürger

Für die Schauspielerinnen der Hof- wie der Vorstadttheater gilt: Sie befinden sich innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts in einem Dilemma: [...] Ihr Beruf macht es nötig, dass sie zwischen bürgerlichem, weiblichem Wohlverhalten und ihrer eigenen Ausnahmestellung aufgrund ihrer bezahlten, öffentlichen Berufstätigkeit vermitteln, dass sie sozusagen zwischen Normerfüllung und Normbruch lavieren. [...] Der Aufstieg des Bürgertums im neunzehnten Jahrhundert, zu dem unabdingbar die bürgerlich definierte moralische und kulturelle Integrität gehört, macht dieses Problem der Schauspielerin aber zusätzlichen kompliziert: Die soziale Definition (und Selbstdefinition) der Schauspielerin wird ambivalent, denn ihre Kunst des Rollenspiels zählt nun auch im Rahmen des bürgerlichen Zusammenlebens zu den erstrebenswerten „soft skills“. Die Darstellungskunst überlagert sich mit einer bürgerlichen Alltagskompetenz. „Soziale Theatralität“ durchdringt jeden Bereich der bürgerlichen Gesellschaft, das Spielen der richtigen Rolle innerhalb der Familie, der sozialen Schicht, des Berufsumfeldes etc. ist für die bürgerliche Existenz unabdingbar. Schauspielerinnen (und Schauspieler), die die Integration in die bürgerliche Gesellschaft anstreben, spielen dauerhaft zwei Rollen und ihre bürgerliche Privatrolle wird, parallel zur Zunahme der Bedeutung des Bürgertums als Publikum [...] im Laufe des 19. Jahrhunderts immer wichtiger.

Karin S. Wozonig: Betty Paoli und die schönen Frauen. In: NESTROYANA. Blätter der Internationalen Nestroy-Gesellschaft. 29. Jahrgang 2009, Heft 1–2. 72-81.

Brief von Carl von Lewinsky an Josephine von Wertheimstein

Brünn, 11. Jänner 1866 … Die edelste Seele der Dorotheergasse und einiger anderer Welttheile ist auch öfter so gut, mich au courant zu halten über wichtige Vorkommnisse in der heiligen Stadt Wien, in welcher der Geist der Verneinung, i. e. des Wolterianismus bedenklich zuzunehmen scheint. – Ich habe mit aller sittlichen Entrüstung, deren ich in der Eile habhaft werden konnte, erfahren, daß diese Delila bei Samson auf dem Balle war, und freue mich, daß der gerechte Himmel dieses freche Eindringen des Weltkindes… durch dreimaliges Tanzen mit Boskowitz rasch und strenge bestrafte.

Gomperz, Heinrich/Kann, Robert A. (Hg.): Briefe an, von und um Josephine von Wertheimstein. Wien 1981

Carl/Karl von Lewinsky, 1813-1869, liberal gesinnter Zensurbeamter, Freund Betty Paolis
“edelste Seele der Dorotheergasse”: Sophie Todesco
Samson: Wiener Salon
Julius Boskowitz, Architekt

Freitag, 8. Januar 2010 von Karin S. Wozonig
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Lyrik? Lyrik!

Detlef Thofern (Sozialwissenschaftler) und ich laden wieder einmal zum Kaffeehausgespräch, diesmal zum Thema “Wer liest denn noch Gedichte?”. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie im Blog der Kaffeehausgespräche.

Montag, 4. Januar 2010 von Karin S. Wozonig
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Frauen in New Hampshire

New Hampshire hatte schon viele interessante Bewohnerinnen, wie man in dem Buch “Remarkable New Hampshire Women (More Than Petticoats)” von Gail Underwood Parker nachlesen kann. So zum Beispiel die Herausgeberin des Ladies’ Magazine Sarah Josepha Hale, die Autorin Harriet E. Wilson, die Anwältin Marilla M. Ricker und die Künstlerin Lotte Jacobi. In den letzten Wochen hatte ich Gelegenheit, Natur, Kultur und Atmosphäre von New Hampshire zu erleben (Madison wurde 1852 gegründet). Ermöglicht wurde mir das durch die liebenswürdige Gastfreundschaft von Fay und Susan - danke!