Donnerstag, 29. Juli 2010 von Karin S. Wozonig
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Die Dichterin im Zweifel und zu Pferde

Die österreichische Erzählerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1914) stand in regem Briefkontakt mit der Lyrikerin Sephine von Knorr. Gerade werden die Briefe dieser beiden Frauen in einem Projekt an der Universität Salzburg unter der Leitung von Ulrike Tanzer ediert. Nach einer Phase der theorielastigen Literaturwissenschaft kann man in den letzten Jahren wieder die Frage stellen: Sind DichterInnenbriefe aufschlussreich für das Verständnis des Werks? Ich möchte heute der anekdotischen Neugier das Wort reden und aus einem Brief Marie von Ebner-Eschenbachs an Sephine von Knorr aus 1853 zitieren:

Seitdem ich in Znaim bin, beschäftige ich mich fast ausschließlich mit ernsthaften Studien: ich muß solchen noch Jahre meines Lebens widmen, denn meine Unwissenheit ist mir all und überall ein Stein des Anstoßes. Niemals war ich überzeugter als jetzt, daß ich meine goldenen Träume von einem in der Poesie für mich erreichbaren, wünschenswerten Ziel aufgeben muß, daß ich vollkommen talentlos sei. Du bist glücklich, Sefine, Du besitzest ein großes, einziges Talent, dem Du Dein Leben widmen kannst. Meine Freude ist hier, daß ich täglich allein ausreiten kann, und die Stunden dieses einsamen Rittes sind die besten im Tage! Da bin ich frei, da bin ich vergnügt, ich versichere Dich, man begreift von zu wenig Seiten die Poesie des Reitens…

Sonntag, 29. November 2009 von Karin S. Wozonig
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Betty Paoli an Josephine von Knorr

Wien 29 November 1877.
Theuerste Baronin!

Störungen aller Art, – darunter auch längeres Unwohlsein, – haben mich verhindert Ihnen für Ihre freundlichen Glückwünsche und das sie begleitende Geschenk schon früher zu danken. [...]

Ich dachte häufig an Sie, liebste Baronin, in den prachtvollen Tagen, welche dieser Herbst uns ausnahmsweise brachte, ich erinnere mich keines so heiteren, sonnigen Novembers. Da muß das Leben auf dem Lande, trotz der kurzen Tage, doch recht angenehm gewesen sein, man konnte ja viele Stunden im Freien verbringen. Jetzt gehen Sie wohl bald nach Salzburg und dann nach Paris. [...]

Hier in unserem kleinen Kreise spinnt sich das gewohnte Leben fort, nur mit dem betrübenden Unterschied, daß Sie und Frau von Littrow fehlen. [...]

Leben Sie wohl, theuerste Baronin, und empfangen Sie wiederholt meinen beßten Dank für ihre freundliche Erinnerung. Mit den herzlichsten Wünschen für Ihr Wohlergehen und die ungehinderte Durchführung Ihrer Reiseprojekte
Ihre wahrhaft ergebene Betty Paoli

Josephine Freiin von Knorr (1827-1908) war Lyrikerin, Übersetzerin und Briefpartnerin von Marie von Ebner-Eschenbach. Durch Knorrs Vermittlung lernte Ebner-Eschenbach Franz Grillparzer und die Schwestern Fröhlich kennen.